Rheinbruder Saeid Fazloula ist am Ziel seiner Träume

Saeid Fazloula.
Saeid Fazloula. Bildquelle: GES/Rheinbrüder

Karlsruhe (MaT). Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat heute seine Athletinnen und Athleten für das Refugee Olympic Team (ROT) für die Olympischen Spiele in Tokio benannt.

Mit auf der Teilnehmendenliste stand der Name Saeid Fazloula. Der Kanute, der seit 2015 bei den Rheinbrüdern Karlsruhe ein Zuhause gefunden hat, konnte sein Glück kaum fassen.

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„Wir haben es geschafft. Wir haben es geschafft!“, jubelte er immer wieder nach der Verkündung und herzte alle die ihn auf seinem Weg unterstützt haben.

Sein Weg bis dahin war beschwerlich. 2015 warf ihm der Iran vor, er hätte bei den Kanu Weltmeisterschaften in Mailand den Dom besucht und wolle zum christlichen Glauben konvertieren. Er bekam auf dem Heimflug von der WM seinen Pass weggenommen und wurde nach der Landung direkt verhaftet. Nachdem er wieder freigelassen wurde, war für ihn klar, dass sein Leben in seiner Heimat in Gefahr war. Seine Familie und er sahen den einzigen Ausweg in der Flucht. Über die Balkan-Route gelangte er nach Deutschland. „Mit dem was ich auf meiner Flucht erlebt habe, muss ich ein Leben lang  klarkommen“, sagte er kürzlich in einem Interview traurig.

Jetzt gerade sind diese Bilder aber für einen Moment ganz weit weg. Endlich kam die erlösenden Mitteilung, dass er im Refugee Team bei den Olympischen Spielen starten darf.

Auch dies war ein sehr langer Weg und ein Kampf, der mit dem Entscheidungswandel beim Kanu Verband sowie dem medialen Druck der ARD, durch den Investigativ-Journalisten Peter Wozny, zu gewinnen war. Mit den ersten Medienberichten in der Öffentlichkeit bewegte sich der Internationale Kanu-Verband (ICF) und änderte seine Statuten. Durch die Recherchearbeit der Medien wurde das IOC auf den Missstand, der fehlenden Regelungen für Geflüchtete auch bei anderen internationalen Sportverbänden aufmerksam und die Statuten mussten angepasst werden.

Die komplette “Rheinbrüder-Familie“ stand von Beginn an hinter Saeid Fazloula und hat mit ihm den langen Kampf durchgestanden. Auch deshalb war die Freude und die Erleichterung nicht nur bei Saeid riesengroß. „Wir haben immer auf das Happy End mit der Olympia Teilnahme gehofft und  für Saeid gekämpft. Neben seinem Trainer Ralf Straub waren es vor allem unsere Sportmanagerin  Martina Tirolf und Maren Knebel die ihn immer wieder tatkräftig in allen Lebenslagen unterstützt haben “, fasste Bundesstützpunktleiter Detlef Hofmann die große Solidarität im Club zusammen. Insbesondere Hofman war es auch, der über seine (sport-)politischen Kontakte immer wieder auf den Fall aufmerksam machte und ihm als Vaterersatz immer auch mental zur Seite stand. Sogar der Präsident des Deutschen Kanu-Verband (DKV), Thomas Konietzko, sowie der Aktivensprecher von Athleten Deutschland, Max Hartung, setzten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für das Zustandekommen der Gerechtigkeit im Fall Fazloula ein.

Saeid Fazloula war die emotionale Situation nach der Bekanntgabe deutlich anzusehen. Unter Tränen bedankte er sich: „Heute könnte ich die ganze Welt umarmen. Ich danke allen die mich hier so aufgenommen haben und fünf Jahre mit mir für meinen Traum gekämpft haben!“