Brüßler, Fazloula und Koch fiebern ihrer Olympia-Premiere entgegen

Sophie Koch (Canadier-Einer und Zweier Start), Saeid Fazloula (Kajak Einer Start) und Sarah Brüßler (Zweierkajak Start)
Sophie Koch (Canadier-Einer und Zweier Start), Saeid Fazloula (Kajak Einer Start) und Sarah Brüßler (Zweierkajak Start) Foto: GES/Rheinbrüder

Karlsruhe (MaT), Die olympischen Spiele sind bereits in vollem Gange, wieder einmal sorgte Kanu für die erste Goldmedaille und zwar im Kanuslalom. Die Rennkanuten greifen traditionell erst in der zweiten Woche ins olympische Geschehen ein. Für die Rheinbrüder Karlsruhe bedeutet dies am Montag früh aufstehen oder erst gar nicht ins Bett gehen. Denn Saeid Fazloula und Sarah Brüßler werden am Montag ab kurz nach drei Uhr nachts deutscher Zeit ihre Olympia-Premiere feiern.

Saeid Fazloula startet für das Olympic Refugee Team (ROT) im Einerkajak über 1.000 Meter. Im Vorfeld kämpfte der gebürtige Iraner viele Jahre um die Anerkennung seines Flüchtlingsstatus und die Aufnahme ins ROT. Erst in diesem Frühjahr, nach Regelwerksänderungen des Internationalen Kanu-Verbands, wurde er ins Team aufgenommen. Doch auch die unmittelbare Anreise nach Tokio war keine reibungslose Geschichte. Das Refugee Team traf sich in Doha zu einem “Come togehther-Meeting“ und sollte drei Tage später nach Tokio weiterreisen. Daraus wurde nichts, da ein Delegationsmitglied positiv auf COVID-19 getestet wurde. Aus drei Tagen wurden acht, in denen Saeid kein Boot zur Verfügung hatte. „Das war eine schlimme Zeit, sehr nervig!“, gab Saeid zu. Um so glücklicher war er, als er dann mit der ersten Gruppe der Delegation nach Tokio weiterfliegen durfte.

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Aber auch dort war der Start mehr als holprig. Aufgrund steigender Inzidenzzahlen in Toda, dem Trainingsort des Flüchtlingsteams, durfte er nach einem Tag Wassertraining erneut nicht paddeln. Das IOC machte sich aber für ihn stark und so konnte er bereits am nächsten Tag mit Sondergenehmigung und dem mittlerweile in Tokio angekommenen Heimtrainer, Ralf Straub, endlich die Vorbereitung auf die olympischen Wettkämpfe beginnen. Am 02. August wird der Startschuh für Saeid fallen. Wie weit er es in dem hochkarätigen Einerfeld schaffen wird, steht gerade nach der katastrophalen Anreise eher in den Sternen. „Das ist alles keine professionelle Vorbereitung gewesen. Aber ich fühle mich gut und meine Motivation hält mein Kopf oben. Mein Ziel bleibt das B-Finale. Auch wenn, das nun noch schwieriger wird.“ So sieht es auch sein Trainer Ralf Straub. „Für Saeid wird das Viertelfinale schon der erste Endlauf, wenn er den packt, dann ist er im B-Finale aber das wird sehr schwer, weil die guten Kanu-Nationen hier ja auch zum ersten Mal zwei Athleten pro Disziplin – im Einer und Zweier – an den Start schicken können.“

Unbekannte bei Brüßler

Das ist auch die Unbekannte bei Sarah Brüßler. Die Kajak-Fahrerin wird in Tokio mitCaroline Arft (Essen) im Zweier antreten. Auch für Brüßler ist es die Olympia-Premiere. Im Frühjahr sicherte sie mit Melanie Gebhardt (Leipzig) dem Deutschen Kanu-Verband auf der „Olympic Qualifier“ Regatta in Szeged die Quotenplätze Fünf und Sechs. Damit einher ging die persönliche Qualifikation für die Spiele. Nun in Tokio wird sie mit Arft das Boot Deutschland2 sein. Die interne Konkurrenz ist keine geringere, als die Olympia-Zweiten im Viererkajak von Rio, Sabrina Hering-Pradler und Tina Dietze. Wie sie im Vergleich zu Deutschland1 liegen, das weiß Sarah gar nicht so genau: „Wir sind im Training nicht oft gegeneinander gefahren, wenn dann waren sie natürlich schon einen Tick schneller!“ Aber darauf legt die Psychologie-Studentin auch nicht ihr Augenmerk. „Der Zweier läuft eigentlich ganz gut. Wir sind zufrieden aber können uns nicht richtig einschätzen, weil wir international noch nie zusammen gestartet sind.“ Das A-Finale ist das „ultimative“ Ziel. „Das wird aber super schwierig. Wir peilen das A-Finale an, sind dann aber auch mit einer sehr guten B-Finalplatzierung zufrieden.“, gibt die Rheinschwester die innere Ausrichtung vor. Nach der langen Vorbereitungszeit zählt nun für die Beiden vor allem, „dass es endlich losgeht“.

Für die dritte Olympionikin der Rheinbrüder Karlsruher, Sophie Koch, heißt es noch weitere zwei Tage warten, bis sie im Einer-Canadier über 200 Meter an der Reihe ist. Koch darf sich über einen doppelten Start bei Olympia freuen. Während sie das Rennen im Einer fährt, um international Erfahrung zu sammeln, strebt sie im Zweier-Canadier mit ihrer Berliner Trainingspartnerin Lisa Jahn eine Platzierung unter den ersten Vier an. „Unsere Vorbereitung lief fast reibungslos. Außer kleine Wehwehchen war da nichts Schlimmes, da können wir uns wirklich nicht beklagen.“ In Japan selbst hat die 23-Jährige jedoch Mühe mit der klimatischen Umstellung: „Ich bin gerade ziemlich kaputt noch. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze setzt mir echt zu und auch die Zeitumstellung hat mein Körper noch nicht ganz verkraftet.“ Doch von diesen kleinen Sorgen abgesehen, genießt Sophie Koch das Unterfangen Olympische Spiele schon jetzt sehr.


Einer der genau weiß, was in den drei Rheinbrüdern gerade vor sich geht, ist ihr Karlsruher Cheftrainer und Bundesstützpunktleiter, Detlef Hofmann. Er selbst wurde 1996 Olympiasieger in Atlanta im Viererkajak über 1.000 Meter und coachte die deutschen Herren als Bundestrainer 2008 in Peking und 2012 in London zu drei Bronzemedaillen. „Wenn die drei in Tokio ihre Bestleistung abliefern, dann können sie mit sich zufrieden sein. Welche Platzierungen dann am Ende dabei rausspringen, das entscheidet vor allem auch wie stark die Konkurrenz ist.“