Saeid Fazloula mit Bestzeit beim World Cup

Saeid Fazloula startet unter der neutralen Flagge des Internationalen Kanu-Verbands (ICF) ©GES/Rheinbrueder Karlsruhe
Saeid Fazloula startet unter der neutralen Flagge des Internationalen Kanu-Verbands (ICF) ©GES/Rheinbrueder Karlsruhe

Karlsruhe (MaT). Der erste World Cup 2022 im Kanurennsport wurde im tschechischen Racice ausgetragen. Von den Rheinbrüder Karlsruhe nahmen zwei Athleten und ein Trainer teil. Sophie Koch erkämpfte sich mit ihrer Ber- liner Zweierpartnerin, Lisa Jahn, den sechsten Rang über 500 Meter. Saeid Fazloula tritt in diesem Jahr erneut unter der neutralen Flagge des internationalen Kanuverbands (ICF) an und fuhr persönliche Bestzeit im Einerkajak über 1.000 Meter. Ralf Straub, der langjährige Heimtrainer der Leistungsklasse in Karlsruhe, absolvierte seinen ersten in- ternationalen Einsatz als Damenbundestrainer in der A-Mannschaft und konnte erste Erfolge mit dem beinahe gänz- lich neuformierten Kajak-Team feiern.
Sophie Koch nach überstandener Covid-Erkrankungen so langsam zurück zu alter Stärke.
Gemeinsam mit ihrer Zweierpartnerin Lisa Jahn absolvierte sie einen soliden Vorlauf, um sich direkt für das Finale zu qualifizierten, dort erwischten die beiden einen guten Start und konnten die erste Hälfte den Kontakt zu den späteren Siegerinnen aus China und Kuba halten. Diese entkamen auf den zweiten 250 Metern dem restlichen Feld und das deutsche Duo kämpfte mit Ungarn, der Ukraine und Kanada um den Bronzerang. Am Ende reichte bei Jahn/Koch allerdings die Kraft nicht mehr und sie belegten einen guten sechsten Rang. „Wir haben leider am Ende von den Chi- nesinnen ganz schön die Welle bekommen und dadurch so viel Geschwindigkeit verloren. Vermutlich hat uns das circa zwei Sekunden oder mehr gekostet. Deswegen sah das am Ende dann so aus, wie es aussah. Aber wir sind trotzdem zufrieden, auch wenn wir mit der Bahn etwas Pech hatten“, resümierte Sophie Koch ihr Abschneiden.
Für ihren Teamkollegen Saeid Fazloula war der World Cup ebenfalls eine erste Standortbestimmung im Jahr 2022. Als Athlet des ICFs paddelt der aus dem Iran geflüchtete 29-Jährige nach Tokio 2021 nun im zweiten Jahr wieder bei internationalen Wettkämpfen mit. 48 Athleten stellten sich der Herausforderung im Einerkajak über 1.000 Meter, um die besten Plätze untereinander auszumachen. Saeid erwischte einen schweren Vorlauf, erkämpfte sich allerdings mit einer Persönlichen Bestzeit von 3:32.26 Minuten den fünften Platz und konnte sich als einer drei Zeitbesten Fünftplatzierten aus den sechs Vorläufen für das Halbfinale qualifizieren. Saeid Fazloula konnte danach sein Glück kaum fassen: „Das war wie mein Endlauf, ich habe alles gegeben und dann natürlich noch die Persönliche Bestzeit! Mega!“ Als einer der wenigen Sportler im Herrenfeld startete er auch noch über die 500 Meter im Einerkajak. Auch hier absolvierte er zwei sehr gute Rennen, konnte sich jedoch knapp nicht für das Finale qualifizieren. Im C-Finale über die 1.000 Meter fuhr Fazloula erneut ein starkes Rennen, und kam am Ende auf dem guten sechsten Platz ins Ziel. „Die ersten Rennen in diesem Jahr haben viel Kraft gekostet. Ich bin allgemein sehr zufrieden. Ich bin der 24. der Welt, das ist super.“, beschrieb der Fitnesstrainer der Pfitzenmeier Ressorts seine Gefühle nach dem Rennen.
„Ich bin sehr zufrieden mit unseren beiden Schützlingen. Bei Sophie geht es stetig nach oben und ich bin mir sicher, dass sie bei der WM ihre Topform wieder hat. Saeid hat sich in einer hervorragenden Form präsentiert. Wenn er jetzt im Training weiter an seiner Belastungsverträglichkeit arbeitet, um auch mehrere Rennen in kurzer Zeit absolvieren zu können, ist sogar noch mehr drin“, bilanzierte BSP Leiter Detlef Hofmann
Die Premiere von Ralf Straub als Damenbundestrainer im Bereich Kajak kann man nach dem ersten World Cup als gelungen bezeichnen. Der gegenüber den Olympischen Spielen 2021 auf allen Positionen veränderte Viererkajak mit Lena Röhlings (Berlin), Caroline Arft (Essen), Pauline Jagsch (Berlin) und Katharina Diederichs (Potsdam) zeigte einen couragierten Auftritt und positionierte sich mit nur einer Sekunde Rückstand auf das siegreiche polnische Quartett auf einem guten vierten Rang. Umso stärker zu beurteilen, lautete die Devise des Deutschen Kanu-Verband (DKV) im Vorfeld: die Kleinboote stark machen. Sprich, die derzeit besten deutschen Kajakfahrerinnen Jule Hake (Lünen) und Paulina Paszek (Hannover) wurden für ihre Einsätze im Einer- und Zweierkajak geschont. Die Vorgabe und die Um- setzung von Ralf Straub zahlten sich in Racice direkt aus. Jule Hake fuhr im Finale ein engagiertes Rennen und heftet sich zu Beginn erfolgreich an die dreifache Olympiasiegerin und Dame, Lisa Carrington (Neuseeland). Am Ende stand ein fünfter Platz zu Buche auf den Straub mit der 22-Jährigen aufbauen kann. Der Zweierkajak legte sogar noch eine Schippe drauf und musste sich nur den Olympia-Silbermedaillengewinnerinnen aus Polen geschlagen geben. Großes Lob für den Kollegen Straub gab es dafür vom ehemaligen Herrenbundestrainer Detlef Hofmann: “Ich war mir sicher, dass Ralf einen guten Job als Damentrainer in Richtung WM 2022 machen wird, wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt. Dass es mit dieser fast komplett neuen Mannschaft schon beim ersten World Cup so super läuft ist umso schöner“.
Straub selbst sah bei all der Freude noch Verbesserungspotential: „Das Ergebnis des Zweierkajaks und des Viererkajaks ist Wahnsinn. Jule hat sich im Einer ein bisschen unter Wert verkauft. Da fehlt noch etwas die in- ternationale Erfahrung.“ Diese können sich alle beteiligten Protagonisten bereits in fünf Tagen holen, dann star- tet bereits der zweite World Cup in Poznan/Polen.