Wechselbad der Gefühle in Balingen

Weingarten (ps). Eine gewisse Ernüchterung konnten Ringer, Verantwortliche und Fans des SV Germania nach der 7:11-Niederlage im Final-Hinkampf um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft beim ASV Nendingen nicht verbergen. So gut die erste Hälfte des Abends in der Sparkassen-Arena aus Weingartener Sicht verlaufen war, so enttäuschend verlief die zweite. Vier der insgesamt fünf Duelle nach der Pause gingen verloren und so starten die Germanen am kommenden Samstag mit einem Defizit von vier Punkten in den entscheidenden Rückkampf im Eventzelt auf dem heimischen Festplatz, so die Meldung der Germania.

[adrotate banner=“39″]

Booking.com

Doch der Reihe nach. Angetrieben von weit über 300 mitgereisten Anhängern erwischte der SVG in der Neuauflage der letzten beiden Endkämpfe einen guten Start und ging dank seines mazedonischen Fliegengewichtlers Vladimir Egorov mit 1:0 Mannschaftspunkten in Führung. In einem spannenden und technisch hochwertigen Kampf besiegte der 20 Jahre junge Freistiler den früheren Germanen Ghenadie Tulbea mit 10:8. Gut dagegen hielt anschließend auch der ins Superschwergewicht aufgerückte Ramsin Azizsir, der sich dem rund fünf Kilogramm schwereren Peter Öhler nur mit 1:3 geschlagen geben musste. Einen perfekten Einstand im SVG-Trikot erlebte dann der zweimalige Europameister und Olympia-Dritte von 2008, Roman Amoyan. In einem der spektakulärsten Kämpfe der gesamten Saison griff der kleine Armenier ein ums andere Mal ganz tief in die Trickkiste, ging gegen den Moldawier Victor Ciobanu schnell mit 10:0 in Führung und gewann am Ende verdient mit 18:8. „Roman hat voll eingeschlagen, hier ist unsere Taktik voll aufgegangen“, jubelte der Sportliche Leiter der Germanen, Sebastian Mayer, in der Folge. Auch Magomedgaji Nurov wusste zu überzeugen und setzte sich gegen Nendingens Freistil-Ass Nicolai Ceban nach hartem Kampf mit 3:2 durch. Da anschließend auch Routinier Anatoli Guidea seine Niederlage gegen den starken Kubaner Yowlys Bonne Rodriguez mit nur zwei abgegebenen Mannschaftszählern im Rahmen hielt, gingen die Germanen mit einer 5:3-Führung in die Pause.

Aus der kamen sie dann allerdings alles andere als gut aufgelegt zurück. Zunächst unterlag der im Standkampf viel zu einfallslose Jan Rotter seinem Landsmann Florian Neumaier mit 1:4, anschließend kam Punktegarant Ionut Panait gegen den unbequemen – über weite Strecken jedoch auch extrem passiven – Benjamin Raiser nicht über ein 6:0 hinaus. Als dann auch noch der bis dahin in dieser Saison erst einmal besiegte William Harth in einem der absoluten Schlüsselkämpfe des Abends mit 1:5 gegen Piotr Ianulov verlor, sahen die Weingartener ihre Felle allmählich davon schwimmen. Erst recht, als sich Williams jüngerer Bruder Georg Harth im Duell mit seinem Nationalmannschaftskollegen Samet Dülger überraschend mit 2:5 geschlagen geben musste. „Hier hatten wir schon auf einen Sieg gehofft. Wenn du solche Dinger nicht holst, wird es schwer gegen Nendingen“, kommentierte Mayer die Pleite des 75-kg-Athleten. Durchaus eingeplant war

hingegen die darauffolgende und abschließende Niederlage von Adam Juretzko gegen Nendingens Vorzeigeringer und amtierenden Weltmeister Frank Stäbler.

Vier Punkte sind es also, die die Germanen im Rückkampf aufholen müssen, um sich ihren Traum von dritten Meistertitel nach 2011 und 2012 zu erfüllen. Eine schwierige Aufgabe, sicherlich aber keine unmögliche. „Wir werden uns ganz bestimmt nicht aufgeben“, sagte Mayer trotzig. Die Ernüchterung war da – zumindest ein Stück weit – schon wieder verflogen.