Drei WM-Premieren bei den Rheinbrüdern

Sophie Koch, ©GES/Rheinbrüder

Karlsruhe (amr).  In der kommenden Woche beginnen die Kanu-Rennsport-Weltmeisterschaften im portugiesischen Montemor o´Velho. Von den Rheinbrüdern Karlsruhe werden drei Athleten ihre WM-Premiere im Deutschland Trikot feiern. 2015 waren die Kanuten aus dem Rheinhafen das letzte Mal mit drei Sportlerinnen bei einer WM vertreten. Wenn man von Medaillen-Chancen spricht liegen diese in diesem Jahr voraussichtlich bei Kajak-Fahrerin Sarah Brüßler.

Als Vizeeuropameisterin zählt sie zusammen mit ihrer Partnerin Melanie Gebhardt (Leipzig) auf der Seitenwind anfälligen Regattastrecke in Montemor zum Favoritenkreis. Bisher ist die sympathische 24-Jährige noch ganz entspannt, wenn sie an ihre WM-Premiere denkt. Sie hat in den vergangenen Jahren immer viel investiert, ist im Herbst 2017 zudem nach Karlsruhe gezogen, um täglich eine Trainingsgruppe zu haben und direkt
unter U23-Bundestrainer Ralf Straub zu trainieren.

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„Ich freue mich schon sehr, dass ich dieses Jahr den Sprung in die Mannschaft geschafft habe“, berichtet Brüßler die insbesondere auch durch ihre Zugehörigkeit zur Bruchsaler Sportfördergruppe der Bundeswehr ihr Training weiter optimieren konnte. Für ihren Einsatz im Zweierkajak über 1.000 Meter hat sie sich gemeinsam mit Teamkollegin Gebhardt ein klares Ziel gesetzt: „Wir wollen mit einer Medaille nach Hause kommen und mit den Polinnen haben wir ja auch noch eine Rechnung offen.“ Damit spielt die ehrgeizige Kanutin auf den verlorenen Endspurt bei den Europameisterschaften an, bei dem sie nur wenige Meter vor dem Ziel das polnische Boot passieren lassen mussten. „Wir sind auf alle Fälle noch besser eingefahren und feilen derzeit noch an unserem Finish.“

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An der Feinabstimmung arbeitet auch das Canadier-Duo mit der Karlsruherin Sophie Koch und Lisa Jahn aus Berlin. Mit dem vierten Rang bei den Europameisterschaften waren die beiden „Indianerinnen“ zwar zufrieden, wissen aber, dass bei der WM alles passen muss, um unter die besten sechs Boote zu kommen und sich den Olympiakader-Status zu sichern. „Wir haben viele hochqualitative Trainingseinheiten sehr gut zusammen bewältigt.
Sind im Moment ein bisschen müde, weil die harten Trainingseinheiten noch etwas in den Knochen stecken, aber alles in allem läuft es richtig gut bei uns“, so das Trainingsfazit von Koch kurz vor ihrer Weltmeisterschaftspremiere im Zweiercanadier über 500 Meter.

Gewohnt optimistisch und gut gelaunt präsentiert sich der dritte WM-Teilnehmer der Rheinbrüder: Saeid Fazloula. Für ihn ist es nicht direkt eine WM-Premiere. Er hat bereits mit der iranischen Nationalmannschaft an KanuWeltmeisterschaften teilgenommen. Aber er wird nun zum ersten Mal bei einer WM für Deutschland an der Startlinie stehen. Noch immer erfüllt ihn diese Tatsache mit großem Stolz und Genugtuung. Gemeinsam mit dem Berliner Kostja Stroinski wird er im Zweierkajak über 500 Meter die deutschen Farben präsentieren. Er ist sich nach Halbzeit der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung in Duisburg auf der Wedau sicher: „Wir werden eine gute WM fahren und ich bin mir sicher, dass wir im Finale, wenn alles passt auch unter die ersten Fünf kommen können.“ Er unterstreicht allerdings die Tatsache, und damit zeigt der geflüchtete Iraner wie viel deutsche
Mentalität er schon aufgenommen hat, dass „wir dafür nochmals eine Woche richtig hart und vor allem konzentriert trainieren müssen.“

Detlef Hofmann, Cheftrainer der Rheinbrüder Karlsruhe, lächelt wenn er hört, dass man am Trainingsfleiß den Grad der Integration von Saeid abmessen möchte. „Ehrgeizig und fleißig war Saeid schon immer, ansonsten hätte er die beschwerliche Flucht sicherlich nicht überstanden. Aber im Iran hatte auch die akribisch, koordinierte Trainingsplanung gefehlt oder die persische Sprunghaftigkeit und eine fehlenden Umsetzungskonsequenz standen ihm oft im Weg. Nichtsdestotrotz hat sich Saeid den WM-Start mehr als verdient und wenn er nicht zu viel will, bin ich mir sicher, wird er eine tolle Weltmeisterschaft bestreiten.“

Ähnlich optimistisch ist Hofmann auch im Hinblick auf das Abschneiden der beiden „Rheinschwestern“. „Ich würde mich für beide riesig freuen, wenn sie sich bei der WM einfach selbst belohnen könnten. Sie haben beide enormes Potential und im Hinblick auf Tokio sind sie sicherlich nicht chancenlos.“ Die Weltmeisterschaften in Montemor o´Velho finden vom 23. bis 26. August statt. Bereits nächsten Dienstag wird das Nationalteam auf die iberische Halbinsel fliegen, um sich noch rechtzeitig vor Ort mit den Bedingungen vertraut zu machen.