LIONS triumphieren im Herzschlagfinale – Europahalle steht Kopf
Was für ein Jahresauftakt für die PS Karlsruhe LIONS! Im vorletzten Hinrundenspiel der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProA am 4. Januar waren die Artland Dragons zu Gast in der Fächerstadt. Das Team aus dem niedersächsischen Quakenbrück, als Tabellenfünfter ein mehr als ernstzunehmender Gegner, lieferte sich einen fast schon epischen Kampf mit den Hausherren. Das letzte Viertel war gefühlt eine einzige Crunchtime, die buchstäblich in letzter Sekunde mit 82:80 für Karlsruhe endete.
Das Duell begann mit einem schönen Spielzug der LIONS, den Wesley Oba mit einem Dunk veredelte und noch in der ersten Minute zum 4:0 nachlegte. Die dezimierte Mannschaft von Headcoach Demond Greene – Kilian Binapfl fällt mit einer Bänderverletzung für längere Zeit aus und Julian Albus sowie Mikal Dawson sind noch nicht ganz fit – hatte die Gäste zu Beginn im Griff, auch dank ihres guten Teamplays. Als dann Maurice Pluskota in der vierten Minute gleich zwei Dreier zum 15:6 verwandelte, war es Zeit für die erste Auszeit der Niedersachsen, die in der Folge schon bald den Anschluss herstellen konnten. 2.503 Zuschauer sahen am frühen Sonntagabend ein ansprechendes erstes Viertel, dem es weder an Tempo noch an Spannung fehlte. Mit 22:18 ging es in den zweiten Abschnitt, in dem die Gastgeber spielerisch nicht mehr so überzeugen konnten wie zuvor und nahezu sämtliche Würfe verlegten. Die Folgen waren der erste Führungswechsel drei Minuten nach Wiederbeginn und die erste Auszeit der LIONS. Doch auch danach sah Greene, wie seine Mannschaft kaum Punkte aus dem laufenden Spiel holte und nur vereinzelt durch Freiwürfe scorte. Karlsruhe konnte sich beim Gegner bedanken, dass die Begegnung in dieser Phase nicht komplett kippte. Denn die Dragons verteidigten zwar aggressiv und effektiv, offenbarten aber ebenfalls Defizite im Angriff. Trotzdem hatte Quakenbrück mehr vom Spiel, welches aber inzwischen massiv an Qualität eingebüßt hatte und mit einem Score von 35:38 in die Halbzeit ging. Nach dem Seitenwechsel meldeten sich die LIONS sichtbar kämpferisch auf dem Court zurück, taten sich aber nach wie vor schwer gegen eine unbequeme Dragons-Defense. Gegen Mitte des dritten Viertels gerieten die Hausherren dann immer mehr unter Druck, weil wieder Karlsruher Korbflaute herrschte und sich die Gäste bis auf sechs Punkte – ihre höchste Führung – absetzen konnten. Nach einer erneuten Auszeit sorgte der wiedergenesene Dreierspezialist David Cohn mit seinen ersten Punkten für Jubel auf den Rängen und Isaiah Hart eroberte dreieinhalb Minuten vor der letzten Pause per Distanztreffer die LIONS-Führung zurück. Diese hatte allerdings nur kurz bestand, wenngleich das Duell nun wieder eng war und mit 59:60 in den Schlussabschnitt ging, den Brandon Porter mit einem Monster-Dunk für die Badener eröffnete. Es war der Startschuss für eine harte und emotionale Schlacht um die Siegpunkte. Die nervliche Belastung angesichts des stets extrem engen Spielstands machte sich auf beiden Seiten bemerkbar. Die Dragons erarbeiteten sich minimale Vorteile, die sie im Angesicht einer schnell ansteigenden Foulbelastung aber genauso zügig wieder einbüßten. Die Führung wechselte ständig. Die Punktedifferenz hatte schon seit der 26. Minute nie mehr als drei Zähler betragen und überschritt ab der 33. Minute nie mehr als derer zwei. Die letzten 68 Sekunden brachten drei Auszeiten und eine ständige gegenseitige Neutralisation – bis zum letzten Angriff der LIONS beim Stand von 80:80. Isaiah Hart spielte die verbliebenen 17 Sekunden fast komplett herunter, setzte zwei Sekunden vor dem Ende zum Dreier an, der Ball prallte vom Ring, David Ejah stieg nach oben und tippte das Spielgerät mit Ablauf der Uhr in den Korb. Die Spannung entlud sich blitzartig und die Europahalle explodierte förmlich.
Fleißigster Karlsruher Punktesammler war Maurice Pluskota mit 23 Zählern. Isaiah Hart (19) und David Ejah (10) scorten ebenfalls zweistellig. Für die nach wie vor ersatzgeschwächten LIONS endet die Hinrunde am 10. Januar beim Tabellenvierten Eisbären Bremerhaven, der zuhause eine echte Macht ist. Doch Greenes Schützlinge haben im Duell mit den Dragons gezeigt, dass sie trotz der aktuell kleinen Rotation auf den deutschen Positionen auch einen tiefer besetzten und auf dem Papier stärkeren Gegner schlagen können.
