KSC nach der Derbypleite: Wut und Ratlosigkeit

KSC  OralKarlsruhe (mia). Nach der 1:3-Niederlage des Karlsruher SC gegen den SV Sandhausen schallte den KSC-Profis „Wir haben die Schnauze voll – Oral raus“ von den KSC-Fans auf der Gegentribüne  entgegen, als sie sich vom Fanblock verabschieden und bedanken wollten.

Die KSC-Anhänger, die sich das Spiel im Wildpark angesehen hatten, waren sauer. Zurecht. Der KSC hatte eine Führung hergeschenkt und wieder verloren – das auch noch im kleinen badischen Derby.

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Ebenso sauer war auch KSC-Coach Tomas Oral, allerdings auf das Schiedsrichtergespann. „Uns gleitet das Spiel aus der Hand durch einen Elfmeter, der für mich niemals ein Elfmeter ist.“

Weniger Wut, stattdessen Ratlosigkeit herrschte bei den KSC-Profis. „Das macht sprachlos“, erklärte Abwehrchef Bjarne Thoelke.

„Wir haben super Fußball gespielt die erste Halbzeit, dann trauen wir uns auf einmal nicht mehr. Aber auch haben einige nach dem 1:0 gedacht, wir müssen nicht mehr so in die Zweikämpfe gehen, nicht mehr so in die zweiten Bälle.  Und in der ersten Halbzeit haben wir deshalb Fußball gespielt, weil wir die zweiten Bälle und Zweikämpfe gewonnen haben“, schüttelte  Thoelke nach Abpfiff den Kopf.

„Das hat auf einmal aufgehört, dann geraten wir durch die Standards, die die kriegen unter Druck. Natürlich nehmen wir uns für jedes Spiel drei Punkte vor. Dann müssen wir uns zusammenreißen und das 1:0 über die Bühne kriegen. Aber heute kriegen wir wieder drei Tore.“

Reiten uns selbst in die Scheiße

Auch KSC-Kapitän Dirk Orlishausen weiß, dass seine Elf aufgehört hatte zu spielen, einen Grund dafür wusste aber auch er nicht zu nennen. „Es ist vollkommen richtig, wir haben aufgehört zu spielen in der zweiten Halbzeit. Es ist schwer zu erklären, wie man nach so einer ersten Halbzeit wo wir klar besser waren, dann so – ich will nicht sagen zusammenbricht, aber doch wenig zusammenbringt. Das ist selbst für mich schwierig zu erklären.“

Nun sei der KSC tief drin im Strudel und es sei ein „ein sehr sehr langer, schwieriger Weg da raus“. „Ich kann auch nur an die Fans appellieren, die zurecht ihren Unmut äußern, dass wir nur mit wahnsinnigem Zusammenhalt rauskommen. Wir dürfen uns nicht zerfleischen lassen, nicht in Hektik verfallen, aber so ist es leider. Wir belohnen uns nicht und reiten uns selber in die Scheiße rein. Wir brauchen uns nicht am Elfmeter aufzuhängen. Das ist kein Grund, dass wir so zusammenbrechen. Wir müssen hellwach sein.  Zerfleischen tun uns andere zurecht, aber wir als Spieler müssen es weiter versuchen und stark sein.“ Die Spieler würden das nicht mit Absicht machen, so aufzutreten und jeder der „jetzt an Abschied denkt“, das wäre eine „Bankrotterklärung“.

Mehr Qualität da

Ex-KSC-ler Daniel Gordon dagegen freute sich sehr über den Sieg. „Ich habe von hinten im vollen Lauf im Abspringen einen Kontakt gespürt, für mich war es ein Elfmeter. Es war ein starker KSC die erste Halbzeit, sie haben es uns sehr schwer gemacht. Wir hatten keine Lösung, keinen Zugriff. Das 1:0 war ein Weckruf für uns. Wir kamen immer besser ins Spiel, hatten auch vor dem Elfmeter ein zwei gute Aktionen. Letztlich wie es zustande kommt ist ein bisschen glücklich, aber letztlich verdient. Mit dem KSC habe ich nur positive Erinnerungen, dass es mir gelingt mit dem Auswärtssieg  die ehemalige Mannschaft zu ärgern, freut mich. Aber ich weiß natürlich, dass der KSC gerade in einer sehr schweren Situation ist, aber die Mannschaft ist von der Qualität her besser und hat einen anderen Tabellenplatz verdient.“

Jugendlich verhalten

KSC-Coach Oral erklärte: „Für uns ist es natürlich eine ganz bittere Niederlage. Wir haben uns relativ viel vorgenommen. Wir waren die spielbestimmende Mannschaft, hatten viele Aktionen, aber im letzten Drittel waren wir nicht konsequent genug. Wir schaffen es nicht in Führung zu gehen, der Gegner hatte zwei, drei Standards. Die zweite Halbzeit gehen wir verdient in Führung, dann sind wir nachlässig geworden, haben einen Schritt weniger gemacht. Dann haben wir Glück als Bjarne auf der Linie rettet. Dann gleitet uns das Spiel aus der Hand durch einen Elfmeter, der für mich niemals ein Elfmeter ist. Was dann nach dem 1:1 war: wir waren verunsichert , hatten Angst, das Gewonnene wieder herzugeben. Wir haben uns jugendlich verhalten, so geben wir ein Spiel her wie in Heidenheim.  Wir geben Tore zu leicht her.  Wir müssen versuchen einen Sieg zu erzwingen. “

Die Mannschaft glaube an sich, so der KSC-Coach. Die Fans dagegen scheinen nicht mehr an den Trainer zu glauben, so einige von ihnen auch auf dem Nachhauseweg laut über einen Wechsel diskutierten.