KSC-Misere: Disko-Besuche, Disziplinlosigkeit und mentale Müdigkeit

Karlsruhe (mia). Nach der 0:3-Heimpleite des Karlsruher SC gegen Fortuna Düsseldorf, war KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer nicht gut auf die Zweitligaprofis, die damit ans Tabellenende gerutscht waren, zu sprechen.

„Wenn du nach 25 Spieltagen Letzter bist, dann kannst du nicht alles Schönreden. Du stehst dann schon irgendwo verdient da hinten.“

Woran er die Misere und die Leistungsschwankungen ausmache?  „Es ist verwunderlich, dass die Mannschaft eine gute Leistung nicht bestätigen kann. Für mich ist die Mannschaft gefordert, die Mannschaft in sich – jeder einzelne Spieler. Die Mannschaft muss verstehen und lernen was Professionalität heißt.“

Er selbst werfe sich vor, dass er nach dem guten Hannoverspiel nicht in die Kabine gegangen war, um der KSC-Mannschaft ins Gewissen zu reden, dass nichts erreicht sei, ärgert sich Kreuzer.

Disco-Besuch vor dem Aue-Spiel

Denn nach dem Heimsieg hatten sich einige Profis „nachts in einer Diskothek feiern lassen“. „Das habe ich Tage danach erst erfahren. Wenn ich freitags nach Aue fahre, dann funktioniert das nicht.“

„Es waren einige, die in der Diskothek waren“, erklärt Kreuzer und nennt ein weiteres Beispiel: „Warum kommt ein Marvin Mehlem nicht zum Training und verschläft. Ein Marvin, den jeder spielen sehen will, der kommt nicht 15 Minuten zu spät, sondern gar nicht. Geht das? Professionalität, Verantwortung übernehmen, das muss jeder einzelne Spieler an den Tag legen“, fordert der KSC-Sportdirektor.

Disziplinlos?

Das sei auch eine Frage der Disziplin, so Kreuzer. Habe man die zuhause nicht und im Training, bekomme man sie auch am Spieltag nicht auf den Platz.  Nun seien Spieler gefragt, die „sich reinhauen“.

Aussortieren der anderen Spieler sei aber keine Alternative. „Aktionismus bringt nichts. Einfach so Aktionismus muss nicht sein, außer es gibt einen Grund dafür.“

„Mit dem können wir nicht“

Von einer Trainerdiskussion möchte Kreuzer überhaupt nichts hören, auch wenn er die Unruhe im Umfeld wahrnehme. „Ich lasse nicht zu, dass diese Mannschaft jetzt wieder einen Trainer so ein bisschen in Frage stellt“, warnt der KSC-Sportdirektor davor, Trainer Mirko Slomka die Schuld geben zu wollen.

„Beim ehemaligen Trainer hieß es: ‚Mit dem können wir nicht‘, ‚der ist zu hart zu uns und übrigens Taktik, wir wissen gar nicht was wir machen sollen‘“, beschreibt er, wie sich die KSC-Profis über den damaligen Coach Tomas Oral beschwerten.

Wollen sie nicht? Können sie nicht?

Nun habe man mit dem aktuellen KSC-Coach einen Trainer, „ der einen anderen Umgang pflegt mit den Spielern und unglaublich viel an die Hand gibt. Wenn ich dann höre: Der gibt den Matchplan an die Hand und der ist zu schwer, sage ich: So ein Blödsinn.“

Der Matchplan sei nicht anders als bei anderen Zweitligavereinen, so Kreuzer, der sich ärgert: „Die Spieler die vorher jammerten, setzen es nun auch nicht um. Warum? Wollen sie nicht? Können sie nicht? Warum“, fragt sich Kreuzer. Auch beim nächsten Trainer ändere sich nichts oder „gehen sie dann nicht mehr in die Disko?“, ärgert er sich.

„Aber ich lasse nicht zu, dass man auf den Trainer losgeht, der sich den A… aufreißt und alles macht“, so Kreuzer über das „Grummeln“ im Umfeld.

 Keine Hierarchie im Team

Nun sei die Mannschaft gefordert, als Team aufzutreten und „nicht als Egoisten“. „Die Mannschaft hat fußballerische Qualität, aber die Frage nach einer Hierarchie und Abstiegskampf muss erlaubt sein“, erklärt der Sportdirektor des KSC.

Man habe gute Spieler in der Mannschaft, aber es fehlen eventuell, so Kreuzer, diejenigen, die im „Training und im Spiel dazwischen hauen, einen wegblasen und ein Zeichen setzen“.

Drei fünfte gelbe Karten gab es für den KSC, Jordi Figueras, Franck Kom und Dimitris Diamantakos fehlen nach der Pause gesperrt. „Wir hätten noch fester treten müssen. Ich hätte mir eine Reaktion erwartet, ein Frustfoul während des Spiels, damit man merkt, da lebt was.“

Die Hierarchie stimme „nicht zu 100 Prozent“. „Wen hast du da? Ich habe überlegt, wen bestelle ich ein, bin aber auf maximal drei Spieler gekommen.“ Nun gelte es die herauszufiltern, die Abstiegskampf können.

Druck und Härte

Vier Punkte Rückstand haben die Karlsruher aktuell auf den Nichtabstiegsplatz, zwei auf den Relegationsplatz. „Das kannst du schaffen.“ Wie? „Ich sage die Mannschaft braucht Druck und muss härter angepackt werden. Da werden wir den Hebel ansetzen. Zum Glück ist Länderspielpause“, erklärt er, dass es am Mittwoch lauter zugehen werde in der Ansprache an das Team. „Klare Ansagen, harte Arbeit und Druck!“

„Man kann nicht zur Tagesordnung übergehen. Du bist Letzter, hast ein Heimspiel verloren und zwar nicht gegen Stuttgart, sondern gegen Düsseldorf“, so der KSC-Sportdirektor, der eine „mentale Müdigkeit“ bei den Profis feststellt. Er unterstelle keinem der Profis, „dass er nicht will“. „Mir geht es darum, dass man alles dafür tut.“

 Aggressivität und Mentalität

Noch hat er die Hoffnung über dem Strich zu landen. „Weil wir die Qualität haben. Jetzt noch die Qualität gepaart mit der richtigen Mentalität und Aggressivität auf den Platz bringen, dann schaffen wir es. Wenn das nicht gelingt, steigen wir ab.“.