KSC-Fandachverband: „Kollektivstrafen und blinder Aktionismus“

Karlsruhe (mia/ps). Nachdem der Karlsruher SC nach den Vorkommnissen im KSC-Fanblock beim baden-württembergischen Derby Maßnahmen ergriffen hatte, die sowohl Ultras als auch Supporters des abstiegsgefährdeten Karlsruher Zweitligisten betreffen, meldet sich der KSC-Fandachverband zu Wort.

„Der Karlsruher Sport-Club hat in Folge der Vorfälle beim Derby, Maßnahmen ergriffen und uns, die Supporters Karlsruhe 1986 e.V., und somit einen Großteil der Fans des KSC mit Sanktionen belegt. Diese kritisieren wir ebenso scharf wie das Abschießen von Leuchtspurmunition und Böllern auf das Spielfeld und die angrenzenden Zuschauerblöcke“, schreibt der Vorstand der Supporters, Martin Löffler, in seiner Meldung.

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Die Supporters,  der Fandachverband mit über 3.000 Mitgliedern alle organisierten und nicht organisierten Fans, distanziere sich, heißt es weiter in der Meldung, „von Vorverurteilungen, Pauschalurteilen und Kollektivstrafen“.

„Durch Kollektivstrafen versucht der Verein mit blinden Aktionismus gegenüber allen Fans, dem Verband und den Sicherheitsbehörden zu zeigen, dass er sich der Probleme annimmt und diese beherrscht. Die von uns geforderte besonnene und sachliche Aufarbeitung der Vorfälle in Stuttgart können wir jedoch nicht ansatzweise erkennen. Auch wurden wir als Vertreter der Fans bis heute nicht angehört und konnten hierzu keine Stellung beziehen“, beklagt der Supporters-Vorstand, dass der KSC nicht auf die Supporters zur Aufklärung der Vorfälle in Stuttgart zugekommen sei.

Kollektivstrafe für alle KSC-Fans

„Das bisher uns zur Verfügung gestellte Auswärtskartenkontingent verteilte sich jeweils zur Hälfte auf die Ultraszene und organisierte Fanclubs oder einzelreisende Fans. Es zeigt sich somit, dass ein Großteil der Fans, die ihren Verein auswärts unterstützen, von diesen Sanktionen betroffen sind.“

„Nach Auskunft der Behörden (Quelle: BNN) gibt es im Umfeld des Karlsruher SC rund 170 (Stand 2012) „gewaltbereite Fans“. Wir möchten diese Zahl unkommentiert stehen lassen und zur weiteren sachlichen Betrachtung der Vorkommnisse und der ausgesprochenen Sanktionen, den rund 5.000 mitgereisten Fans beim Derby, den im Schnitt rund 12.000 Besuchern bei Heimspielen im Wildpark und den über 3.000 Mitgliedern bei den Supporters Karlsruhe gegenüberstellen“, so die Meldung weiter.

„Wir stellen fest, dass sich der Verein zu einer Kollektivstrafe gegen die sehr große Mehrheit der friedlichen Anhänger ausgesprochen hat und diese somit mit einzelnen Ausreißern über einen Kamm schert. Gerade von einem ehemaligen Richter, als unserem höchsten Vereinsvertreter, hätten wir in diesem Falle mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Denn unseres Erachtens gilt die Unschuldsvermutung bis zum Nachweis einer Schuld und der entsprechenden Verurteilung! Es ist nicht die Aufgabe eines Fandachverbandes, die Arbeit der Sicherheitsbehörden zu übernehmen. Diese müssen Täter feststellen, überführen und am Ende einer Verurteilung zuführen.

Die Schließung des Ultras-Verkaufsstandes für die restlichen Heimspiele kritisieren wir gleichwohl scharf. Dient der Verkaufs- und Informationsstand einerseits zum Verkauf von Artikeln der „Gegengerade Karlsruhe“, mit deren über uns gebuchten Einnahmen ausschließlich Kosten für aufwendige Choreografien gedeckt werden, andererseits schließt man hier einen Anlaufpunkt vieler Fans und entzieht der Fanszene somit die Möglichkeit, sich hier entsprechend auszutauschen und gegebenenfalls auch das Derby aufzuarbeiten.

Mit Spannung erwarten wir die angekündigte Aktualisierung der Ticket-AGB und hoffen, dass sich der Verein hierdurch, mit Blick auf sein eigenes Fanshop-Angebot, nicht selbst schadet. Der scheinbar gemeinhin als gewaltbereit bekannte Fan eines Fußballvereins findet im hauseigenen Shop mehr als einen Artikel, der sich zur Vermummung eignen könnte.

Abschließend stellen wir uns die Frage, ob unsere aktuell kritische Position zur sportlichen und vereinspolitischen Situation des KSC im Vorfeld des Stuttgart-Spiels nicht dazu geführt hat, dass diese Sanktionen gezielt gegen uns, die Supporters Karlsruhe 1986 e.V., ausgesprochen wurden“, so der Wortlaut der Meldung der KSC-Fans.