Quali-Bericht Rheinbrüder Karlsruhe – Hanno Wortmann brilliert in Duisburg
(Bild: ©Rheinbrüder/Cedric Maas)
Karlsruhe. Am vergangenen Wochenende fand die diesjährige Qualifikation für die Nationalmannschaften der Junioren und Leistungsklasse im Kanurennsport in Duisburg statt – mit dabei eine 20-köpfige Auswahl aus dem Karlsruher Rheinhafen, bestehend aus 10 Leistungsklasse und 10 Junioren SportlerInnen. Die Besonderheit in diesem Jahr lag darin, dass die Qualifikation der Leistungsklasse nicht wie in den vergangenen Jahren an zwei Wochenenden im April ausgetragen wird, sondern erstmals nur an einem. Die Juniorinnen und Junioren hingegen bleiben bei zwei Qualifikationswochenenden im April.
Von Cedric Maas
Wie auch in den vergangenen Jahren fanden die Wettkämpfe „hinter verschlossenen Toren“ statt. Eine angespannte Stimmung über die insgesamt 4 Tage zählt hier schon zum „Daily Business“ – immerhin geht es um die begehrten Plätze in den Nationalmannschaften des Deutschen Kanu Verbandes. In der Leistungsklasse mussten sich die SportlerInnen über die Strecken 250, 500 und 1000 Metern beweisen, während die Juniorinnen und Junioren bei ihrem ersten Wettkampfwochenende über 250 und 2000 Metern ihr Können unter Beweis stellen sollten.
Hanno Wortmann paddelt in die Top Vier
Nachdem der gebürtige Saarländer Hanno Wortmann bereits in der vergangenen Saison in seinem ersten Rheinbrüder-Jahr eine Duftmarke setzte, konnte er in diesem Jahr noch einen draufsetzen. Mit einem zweiten Platz über 500 Meter im B-Finale brachte sich Wortmann bereits am Freitag in eine gute Position für die Plätze in der U-23 Nationalmannschaft. Am darauffolgenden Samstag geschah dann jedoch etwas Außergewöhnliches, etwas, das es im Rheinhafen zuletzt vor über 15 Jahren gab. Wortmann konnte sich mit einem starken Zwischenlauf in das A-Finale fahren, und fuhr in einem dramatischen Rennen über die olympischen 1000 Meter auf einen überragenden vierten Platz, und verpasste nur denkbar knapp mit etwa einer Sekunde den zweiten Platz hinter 3-fach Olympiasieger Jacob Schopf aus Potsdam.
Hanno Wortmann nach dem souveränen Einzug ins A-Finale über 1000m der Herren Leistungsklasse (©Rheinbrüder/Cedric Maas)
Mit diesem Ergebnis hat Wortmann die Qualifikation für die diesjährige U-23 Nationalmannschaft mehr als nur sicher. „Hanno hat sich damit selbst belohnt, denn er arbeitet, seit er bei uns ist, in jedem Training akribisch an sich, und das hat sich jetzt für ihn ausgezahlt“, freut sich ein sichtlich zufriedener Heimtrainer Yannik Hofmann.
Bei der Damen-Leistungsklasse konnte die U-23 Vizeweltmeisterin von 2025, Jette Brucker, in ihrem zweiten Leistungsklasse-Jahr wieder an die Leistungen aus dem vergangenen Jahr anknüpfen. Die KIT-Studentin erreichte über alle drei Strecken das B-Finale. Hier fuhr sie über die 250 Meter auf einen hervorragenden zweiten Rang, über 500 auf den fünften und über 1000 Meter auf den achten Platz. Mit Rang 13 in der Gesamtrangliste darf sich die 20-jährige jetzt wieder Hoffnungen auf die Teilnahme an der U23-WM im kanadischen Dartmouth machen.
Knielinger Tim Bechtold auf WM Kurs
Da sich Tim Bechtold in diesem Jahr altersbedingt nicht mehr für die U-23 qualifizieren konnte, hieß es für ihn „alles oder nichts“. Bechtold erkämpfte sich über 250 und 500 Meter jeweils den dritten Platz im B-Finale. Über die 1000 Meter konnte Bechtold einmal mehr seine gute Ausdauerleistung unter Beweis stellen, in dem er sich den ersten Platz im B-Finale sicherte. Eine weitere Neuheit in diesem Jahr war, dass der Deutsche Kanu Verband einen separaten Qualifikationswettkampf über die 5000 Meter Langstrecke ausrichtete. Bechtold, durch seine mehrfachen Deutschen Meistertitel in der Langstrecke in der Szene bekannt, konnte sich hier in einem spannenden Rennen gegen den mehrfachen WM-Medaillengewinner und Olympiasieger von 2008 Peter Kretschmer (Leipzig) durchsetzen, sich den ersten Platz sichern, und ließ somit der Konkurrenz keine Chance.
Tim Bechtold konnte sich durch einen Sieg über die 5000 Meter entscheidend auf WM-Kurs bringen.(©Rheinbrüder/Cedric Maas)
Durch diese Leistungen konnte er einmal mehr auf sich aufmerksam machen und in den erweiterten Kreis der A-Nationalmannschaft fahren. „Tim hat sich mit dieser Leistung einen Start auf den World Cups in Szeged und Brandenburg verdient. Wenn er sich dort international behauptet, kann er für die WM nominiert werden“, berichtet Heimtrainerin Maren Knebel.
Rheinbrüder-Juniorinnen und Junioren glänzen in Duisburg
Beim ersten Showdown der Juniorinnen und Junioren auf der Duisburger Wedau konnten die Rheinbrüder einmal mehr ihre herausragende Nachwuchsarbeit im Rheinhafen unterstreichen. Das erste Kräftemessen fand hier auf den Strecken 250 und 2000 Metern statt.
Moritz Hörner war in diesem Jahr auf Grund des verletzungsbedingten Ausfalls von Simon Schuler der einzige Junioren Rheinbruder, der in Duisburg den Kampf um die Nationalmannschaft-Tickets aufnehmen konnte. Hörner konnte in Duisburg bei seinem ersten Quali-Wettkampf als zweitjähriger Junior die Rheinbrüder-Trainer in ein Staunen versetzen. Hörner versuchte über die 2000 Meter alles aus sich herauszuholen, und fuhr am Ende in einem starken Feld auf den neunten Platz. Über die 250 Meter überraschte der Daxlander dann ein weiteres Mal, indem er sich für das A-Finale qualifizierte und sich dort Rang acht ergatterte. Da für die Gesamtrangliste beide Wettkämpfe zusammengezählt werden, reiht sich Moritz Hörner auf Rang 7 ein und zusammen mit der Athletikqualifikation aus dem Februar liegt er zur Zeit auf Platz 9. Somit ist er in Schlagdistanz zu den Plätzen, die für die internationalen Wettbewerbe nominiert werden.
Mit Undine Horakh und Rebecca Hirsch gingen die Rheinbrüder im Kajak Bereich der Juniorinnen gleich mit zwei Nationalfahrerinnen aus dem vergangenen Jahr an den Start. Das Duo wurde in diesem Jahr durch die beiden Jugend-Rheinschwestern Marie Freisinger und Morgan Fox ergänzt. Mit Platz sechs im A-Finale über die 250 Meter sowie einem außerordentlichen Rennen über die 2000 Meter, dass sie mit acht Sekunden Vorsprung gewinnen konnte, sicherte sich die Knielingerin nicht nur den Sieg am Wochenende, sondern baute auch ihre Führungsposition weiter aus. Rebecca Hirsch belegte einen hervorragenden zweiten Platz auf der 2000 Meter Distanz und ist mit Platz 11 über 250m Meter jetzt auf dem siebten Rang in der Rangliste hervorragend positioniert, um in zwei Wochen ebenfalls um die JWM Tickets zu kämpfen. Für eine große Überraschung sorgte, die noch in der Jugendklasse startberechtigte und von Heimtrainer Cedric Maas betreute, Marie Freisinger mit dem fünften Platz im A-Finale über die Sprint Distanz. Zusammen mit einem elften Platz über die lange Strecke hat auch sie sich eine gute Ausgangslage für die in zwei Wochen zweite stattfindende letzte Qualifikation geschaffen. Ihre gleichaltrige Zweierpartnerin Morgan Fox sicherte sich in einem packenden B-Finale Platz zwei und überzeugte dabei ebenfalls auf ganzer Linie.
Auch sehr starke Leistungen zeigten die von David Reeck trainierten Canadier-SportlerInnen aus dem Karlsruher Rheinhafen. Mit Marie-Sophie Syskowski und Cheyenne Heidl konnten zwei Nationalfahrerinnen aus der Saison 2025 am vergangenen Wochenende wieder großartige Platzierungen erzielen. Mit dem zweiten Platz im A-Finale über die 250m durch Marie-Sophie Syskowski und den dritten Platz durch Cheyenne Heidl konnten die beiden Rheinschwestern einmal mehr ihre Sprintfähigkeiten unter Beweis stellen. Komplettiert wurde das Duo durch einen starken siebten Platz von Emelie Göttert im A-Finale und einen Sieg im B-Finale durch Mera Klapheck. Über die 2000 Meter Distanz zeigten die Canadier-Rheinschwestern dann einmal mehr ihr großes Kämpferherz. Mera Klapheck ließ auf der Strecke ihre letzten Körner und fuhr in einem heiß umkämpften Rennen auf Platz drei. Ebenfalls starke Platzierungen erreichten Emelie Göttert mit Platz fünf, Marie-Sophie Syskowski mit Platz sieben und Cheyenne Heidl mit Platz elf. Alle vier Sportlerinnen liegen somit weiter im Rennen um die heiß begehrten JWM und JEM Tickets.
Komplettiert wurde das Canadier-Junioren-Aufgebot durch den Olympic Hope Games Teilnehmer aus dem vergangenen Jahr, Lukas Herpel, der in diesem Jahr als einziger Canadier-Junge die Farben der Rheinbrüder vertrat. Herpel konnte bei seiner ersten Junioren-Qualifikation gleich zeigen, dass man auch mit ihm rechnen muss. Über die 250 Meter erkämpfte sich der Schüler der Drais-Gemeinschaftsschule im B-Finale Rang vier und über 2000 Meter einen guten achten Platz.
In zwei Wochen, am Wochenende vom 24. bis 26. April, findet dann der zweite Teil der diesjährigen Qualifikation für die Junioren-Nationalmannschaft statt. Detlef Hofmann, Bundesstützpunktleiter der Rheinbrüder Karlsruhe, zeigte sich sichtlich zufrieden: „Wir sind unfassbar stolz auf die Leistungen, die unsere SportlerInnen am vergangenen Wochenende gezeigt haben. Im Nachwuchsbereich konnten wir einmal mehr zeigen, dass wir herausragende Arbeit leisten und unsere SportlerInnen den Weg in Richtung deutscher Spitze schaffen können. Herauszuheben ist jedoch vor allen Dingen Hanno Wortmann, der gezeigt hat, dass er es auf der 1000 Meter Distanz mit großen Namen wie die mehrmaligen Olympiasieger Jacob Schopf oder Max Lemke aufnehmen kann, und vielleicht in die Fußstapfen seiner Rheinbrüder-Vorgänger treten kann. Aber auch Tim Bechtold ist mit seinem World Cup Einsatz weiter im Rennen um das WM-Ticket. Nun heißt es, insbesondere für die Junioren im Training weiter Gas zu geben, um in zwei Wochen bei weiteren Wettkämpfen der Quali ebenfalls solch herausragende Leistungen bringen zu können.“
