Geraubte KSC-Fahne? – „Es kotzt uns an“

KSC Nürnberg
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Karlsruhe (mia). „Es kotzt uns an.“ KSC-Sportdirektor Jens Todt war richtig sauer nach dem Spiel des Karlsruher SC gegen den FC Nürnberg. Zwar hatte ihn auch die 0:3-Niederlage getroffen, ebenso schlimm war  für ihn, auf die Vorfälle auf den Rängen angesprochen zu werden.

Zunächst hatten einige Anhänger im Nürnberg-Block Böller und Pyrotechnik in Richtung KSC-Fans und Ordner geworfen. Daraufhin waren aus dem KSC-Block zahlreiche Anhänger aus den Blöcken gerannt, die in den Block der Gästefans stürmen wollten. Das KSC-Spiel wurde unterbrochen.

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„Es kotzt uns an, regelmäßig über solche Themen zu reden. Das wollen wir nicht sehen, wir wollen uns sportlich messen“, so KSC-Sportdirektor Todt verärgert.
„Das stört den Sport und kotzt uns an.“ Indes gehe er nicht davon aus, dass dem KSC Sanktionen und Strafen durch den DFB blühen. Dennoch das Videomaterial muss untersucht werden, bestätigt auch KSC-Präsident Ingo Wellenreuther.

Geraubte KSC-Fahne als Auslöser?

Nach Abpfiff der Partie gingen die unschönen Szenen aber noch weiter. Wie der Einsatzleiter der Polizei Fritz Rüffel berichtet, seien einige KSC-Anhänger nach Abpfiff  um das Stadion herum zum Gästeblock (E2/E3) gerannt, hatten ein abgesperrtes Tor „gestürmt und durchgebrochen“ und hatten sich „gejagt“, so die Polizei.
KSC Nürnberg„Auslöser war offenbar, dass eine Karlsruher Fahne gezeigt worden ist im Nürnberg Block, die vor 12 Jahren geraubt worden sei“, erklärt Rüffel gegenüber abseits-ka. „Dann hat es die Reaktion auf Karlsruher Seite gegeben. Im Nachgang dazu gab es die Drohungen von KSC-Anhängern, die Nürnberger verlassen das Stadion nicht, bevor die KSC-Fahne nicht da ist.“ Im Anschluss gab es die „Angriffe“.
„Die Karlsruher haben mal wieder gezeigt wie „friedlich“ sie sind“, so Rüffel enttäuscht. Denn eines ist klar, am 30. Oktober steht das brisante Derby gegen den VfB Stuttgart an. Auch da wird die Polizeipräsenz groß sein müssen.
KSC-Präsident Wellenreuther stellte klar:  „Ausgangspunkt waren die Nürnberger Chaoten. Ich hoffe, die Polizei hat Beweismaterial. Wir liefern was wir können und ich hoffe, dass sie bestraft werden.“
Man werde das Ganze aufarbeiten und seinen Teil dazu beitragen. Man hatte zusätzlich Fremdordner der Firma BIG eingesetzt, so Wellenreuther.

Offizielle Polizeimeldung

„Alle Hände voll zu tun hatte die Polizei, um die rivalisierenden Fanlager bei der Zweitligabegegnung zwischen dem Karlsruher SC und dem 1. FC Nürnberg am Sonntagnachmittag voneinander zu trennen. Während der zweiten Spielhälfte zündeten Nürnberger Ultras in ihrem Block ganz erhebliche Menge pyrotechnischer Gegenstände und provozierten die Heimfanszene. Neben dem Verbrennen von Rauchpulver schossen die Anhänger des Nürnberger Clubs Leuchtraketen in den Stadioninnenraum sowie in Richtung KSC-Fans und brachten mehrere Knallkörper zur Detonation, worauf das Spiel für rund zehn Minuten unterbrochen wurde.

Ausgelöst durch die Provokationen und einem offenbar länger schwelenden Ultrakonflikt versuchten Personen der Karlsruher Problemfanszene im Stadioninneren gewaltsam in den Gästefanblock vorzudringen, was durch den raschen Einsatz der Polizei verhindert wurde. Einzelne Personen gelangten hierbei in den Innenraum, konnten aber unmittelbar zurückgedrängt werden. Im weiteren Verlauf verließ eine rund 150-köpfige Karlsruher Ultragruppe das Stadion, um über die Eingänge Germania und Fasanengarten erneut zu den Nürnberger Rivalen vorzustoßen.

Dabei wurde ein von Ordnern bewachtes Trenntor mit Brachialgewalt geöffnet und überwunden. Wiederum verhinderte die Polizei ein weiteres Vordringen in den Gästefanbereich, was aber wie schon bereits beim ersten Versuch in den Gästeblock zu gelangen, den Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray erforderlich machte. Sowohl Karlsruher als auch Nürnberger Fans hatten sich vermummt sowie greifbare Gegenstände als Schlagwerkzeug ergriffen und suchten auch in der Nachspielphase die Konfrontation. Durch konsequente Trennung der beiden Fanlager konnte die Polizei, die mit mehr als 300 Beamten im Einsatz war, eine direkte Auseinandersetzung zwischen Nürnberger und Karlsruher Anhänger verhindern. Schließlich verließen die mit 25 Bussen und weiteren Fahrzeugen angereisten rund 2.500 Nürnberger Fans Karlsruhe unter polizeilicher Begleitung, ohne dass es zu weiteren Zwischenfällen kam. Zwei Karlsruher Fans wurden im Zuge der Auseinandersetzung festgenommen. Mehrere Personen erlitten durch den Pfeffersprayeinsatz Augenreizungen. Die weiteren Ermittlungen zum Geschehen dauern an“, so der Wortlaut der Polizeimeldung.