Roger Federer zeigt sich kompromisslos

Roger Federer
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Der Schweizer Tennis-Superstar hat wieder einmal für enormes Aufsehen gesorgt. Doch war der Grund diesmal nicht in einem seiner zahllosen Erfolge zu finden, sondern in seinem frühzeitigen Ausstieg aus den French Open. Während die besten Spieler der Welt um den Titel in Paris kämpften, zog es Federer vor, kampflos aus dem zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres auszusteigen. Dieser ungewöhnliche Schritt löste zahlreiche Diskussionen und teilweise auch Unverständnis aus. Doch ist die Entscheidung des Schweizers wirklich so schwer zu verstehen?

Von Alejandro Quintana

Im Profitennis beginnen sich ab einem Alter von 30 Jahren die ersten Spieler, aus ihrer aktiven Karriere zurückzuziehen. Mit 35 Jahren gehört man schon zu den Ältesten im Tenniszirkus. Doch Roger Federer wird im August dieses Jahres bereits 40 Jahre alt. Sein Rücktritt ist längst absehbar. Nach seiner schweren Verletzung kämpft der Superstar darum, noch einmal in seinem zweiten Wohnzimmer in Wimbledon groß aufspielen zu können. Diesem letzten großen Ziel seiner Karriere hat er alles untergeordnet. Nicht umsonst kündigte er bereits vor dem Turnier in Paris an, dieses vor allem als Wettkampftraining für Wimbledon zu betrachten.

Rückzug aus gesundheitlichen Gründen

Diesen Weg hat der Schweizer konsequent verfolgt. Er zog sich daher von den French Open zurück, um sein operiertes Knie nicht noch weiter zu belasten. Das war auch für die langjährige Nummer eins der Tenniswelt eine Premiere. Er musste in seiner langen Karriere noch nie ein Match aufgeben, doch diesmal war es so weit. Nur wenige Stunden nach seinem Viersatzsieg gegen Dominik Koepfer gab er bekannt, dass er sein Achtelfinale nicht mehr bestreiten würde.

Das Verständnis der Tenniswelt hielt sich daraufhin in Grenzen. Federer unterstrich in einem Statement, dass es ihm nach zwei Knieoperationen und einem Jahr in der Rehabilitation wichtig sei, auf seinen Körper zu hören. Er wolle sicherstellen, dass er sich nicht überfordere. Doch davon wollten viele Kommentatoren nicht hören. Patrick McEnroe gab an, die Entscheidung zwar zu verstehen, aber nicht zu mögen, wie die Süddeutsche berichtete. Federer hätte seiner Meinung nach, das Turnier gar nicht spielen sollen, wenn ihm schon vorher klar war, dass er nicht durchhalten würde. Boris Becker hingegen zeigte Verständnis für die Entscheidung Federers. Er sah bereits das Match gegen Dominik Koepfer als grenzwertig an. Er habe schließlich schon lang kein großes Turnier mehr gespielt.

Kommt jetzt die Lucky-Loser-Regel?

Doch der ungewöhnliche Schritt des Schweizers hat auch eine Diskussion über die Regeln entfacht. Der alte Vorschlag einer Lucky-Loser-Regelung kam wieder auf den Tisch. Diese sieht vor, dass wenn der Sieger einer Partie nicht zum nächsten Match antreten kann, der Verlierer automatisch nachrückt. Das würde die Chancengleichheit wieder herstellen, argumentieren Befürworter einer solchen Regelung.

Dies hätte aber zur Folge, dass es im schlimmsten Fall zu einem Grand-Slam-Sieger kommen könnte, der zuvor bereits ein Match verloren hatte. Dies widerspricht allerdings dem Gedanken einer K.o.-Regelung grundsätzlich. Gut möglich, dass die ganze Diskussion gar nicht erst stattgefunden hätte, wenn statt Roger Federer ein weniger bekannter Spiele seinen Rückzug erklärt hätte. Der Schweizer ist unterdessen bereits beim Turnier in Halle, um sich dort wie immer auf Wimbledon vorzubereiten.

Das richtet den Fokus der deutschen Sportfans wieder auf Tennis. Denn noch laufen im Fußball die Vorbereitungen auf die nächste Saison. Der Rasen in den Stadien wird erneuert und neue Spieler verpflichtet. Währenddessen steuert Tennis unweigerlich auf seinen Saisonhöhepunkt in Wimbledon zu.

Bei den Amateuren sind die Regeln bei weitem nicht so streng. So sehen etwa die Rahmenbedingungen für die Sommerrunde des Badischen Tennisverbandes ein Rückzugsrecht ohne Ordnungsgeld vor. Damit hat man weitere Erleichterungen für die Spieler geschaffen. Gleichzeitig gab der Verband von Baden-Württemberg bekannt, die Sommerrunde nach hinten zu verschieben. Damit finden die Begegnungen, die für Juni geplant waren, nun wahlweise im Juli oder im September statt.

Federer
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Fokussiert auf Wimbledon

Es wird spannend zu sehen sein, ob sich die kompromisslose Haltung von Roger Federer bezahlt macht. Selten zuvor hat sich ein Spitzensportler so auf ein Event fokussiert, wie die Schweizer Tennis-Legende. Während die Tennis-Experten noch über eine neue Regelung diskutieren, nimmt Federer Wimbledon 2021 ins Visier. Dort und nur noch dort möchte er noch einmal groß aufspielen. Die Buchmacher zeigen sich derzeit nicht vollständig überzeugt. Federer erhält derzeit auf Betway eine Tennis Wetten Quote von 8,0 (Stand 9.6.) auf den Sieg im Tennis-Mekka. Damit liegt er auf Platz vier, hinter Novak Djokovic, Daniil Medvedev und Rafael Nadal.

Doch der Center Court in Wimbledon hat Federer schon in der Vergangenheit zu absoluten Höchstleistungen motiviert. Unvergessen bleibt seine epische Schlacht gegen Novak Djokovic im Finale 2019, die er nur hauchdünn verlor. Nach einer Spielzeit von fast fünf Stunden musste er sich im letzten Satz mit 13:12 geschlagen geben. Das Spiel hatte Federer zwar verloren, doch die Herzen der Tennis-Fans in aller Welt hatte er wieder einmal im Sturm erobert.