KSC-Ursprung – „Die Deutschmeister“-Autor Thomas Staisch im Interview

Karlsruhe (mia). Über die aktuellen Erfolge des Karlsruher SC wissen viele zu berichten. KSC-Fan und Autor Thomas Staisch hat sich der „vergessenen Meisterschaft – 1909“ angenommen und schreibt über den FC Phönix Karlsruhe, der 1909 deutscher Meister wurde und später mit dem VfB Mühlburg zum Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix e. V fusionierte.

Staischs Buch, „Die Deutschmeister – 1909 – eine vergessene Meisterschaft“, begeistert aktuell nicht nur die KSC-Fans. Bis zu 280 bisher unveröffentlichte Fotografien, Schicksale und Hintergründe lassen die in die Vergessenheit geratene Fußballgeschichte des Phönix wieder aufleben. Fazit: Ein Buch, dass jeder KSC-Fan und Fußballinteressierte in Karlsruhe gelesen haben sollte.

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Abseits-ka sprach mit Thomas Staisch über sein Buch, was er bei der Recherche erlebte, Schwierigkeiten und Wünsche.

Autor Thomas Staisch vor dem Porträt von Phönix-Kapitän Arthur Beier Quelle: "Georg Nagy"
Autor Thomas Staisch vor dem Porträt von Phönix-Kapitän Arthur Beier
Quelle: „Georg Nagy“

Frage:  Wie kamen Sie auf die Idee über Phönix zu schreiben?

Thomas Staisch: „Ich wollte als KSC-Fan mehr über die erste und einzige Deutsche Meisterschaft meines Vereins im Jahre 1909 erfahren. Aber da gab es nichts, das KSC-Archiv ist ja bekanntlich zerstört worden. Bezeichnend ist auch, dass hiesige Zeitungen und Hobby-Historiker seit Jahren mit einem angeblichen Bild von Phönix hausieren gehen – dass aber in Wirklichkeit die schwäbischen Erzfeinde der Stuttgarter Kickers zeigt! Schlimmer geht es als KSCler fast nicht mehr.“

Hatten Sie Bezug zu dem Verein über Verwandte?

Staisch: „Nein, aber ich bin in Karlsruhe geboren, seit über 35 Jahren KSC-Fan und KSC-Mitglied – das musste als Motivation reichen. Mein Opa war eher Anhänger vom zweiten KSC-Fusionsverein, dem VfB Mühlburg. Dessen Geschichte ist auch noch nicht erforscht, vielleicht sollte ich meine nächste Buch-Recherche darauf konzentrieren!“

Es sind wunderbare Bilder und Geschichten darin. Wie kommt man an diese alten Stücke?

Staisch: „Die findet man natürlich nicht in einem einzigen Buch, sondern man muss hunderte von alten Zeitungsartikeln und Abhandlungen lesen, die heute in Deutschland zum Teil nur noch ein Mal existieren und schwer zu beschaffen sind. Da es sich aber vor allem um Spielberichte handelt, musste ich um jedes private Detail meiner Helden kämpfen. Herausgekommen ist dann ein Mosaik an kleinen Geschichten und Begebenheiten, welche die ,Deutschmeister’ einigermaßen beleuchten. Man muss es für die Leser immer wieder betonen: Wir reden ja hier von Personen und Ereignissen, die zum Teil 120 Jahre zurück liegen!“

Wie aufwendig waren die Recherchen und wer half mit? KSC?

Staisch: „Ich habe über drei Jahre lang jedes mögliche Archiv in Deutschland, England und Polen und im Internet durchforstet, ich habe Angehörige der Kicker gefunden und befragt, ich habe Sport-Historiker konsultiert und auch auf Flohmärkten gesucht. Hilfe kam vor allem von anderen Sportbegeisterten – und den KSC-Supporters.“

Wie schwierig war es, all dies zusammen zu tragen?

Staisch: „Ich hatte ein Luxus-Problem: Am Anfang hatte ich nur vor, über das Endspiel 1909 zu recherchieren, dann hatte ich Material für die ganze Meisterschaftssaison und schließlich wurde es die komplette Geschichte von Phönix Karlsruhe – zumindest von der Gründung 1894 bis ca. 1925. Schwierig war nicht nur die Überprüfung der Ereignisse – damals nahm man es ja mit Namen und Daten der Fußballer und über die Spiele nicht so genau –, sondern auch die Beschaffung und Bearbeitung der Bilder. Deshalb bin ich jetzt sehr froh, dass wir mehr als 280 völlige unbekannte Abbildungen im Buch haben – zum Teil sogar Original-Fotos.“

Was war ihre beeindruckendste Geschichte bzw. Erlebnis, das Sie in diesem Zusammenhang hatten?

Staisch: „Es ist natürlich ein Glücksmoment, wenn sie am Handy plötzlich vom Sohn des Phönix-Meisterschaftstorhüters Otto Michaelis angerufen werden, der sich auf eine Zeitungsanzeige hin gemeldet hatte. Die Freude der Angehörigen, die sich über neue Geschichten oder neue Bilder ihrer Verwandten begeistern, war alleine die ganze Mühe wert! Und natürlich bin ich sehr stolz, dass ich im Zuge der Recherche die einmaligen ,Gründungsbücher’ der Schwarzblauen und den ältesten Film des deutschen Fußballs entdeckt habe – die Partie Phönix gegen KFV vom 1. Mai 1910.“Cover-1

An diese Anfänge des KSC erinnert beim KSC nicht mehr viel oder? Woran liegt das ihrer Meinung nach? Wäre ein Museum angebracht?

Staisch: „Ein Museum wäre wunderbar! Es gibt einmalige Schätze aus der Kaiserzeit, die im Besitz der Spieler-Familien sind. Vielen erscheint aber ein Platz im Archiv – ohne großen Kontakt zu den Fans – wenig reizvoll. Für ein KSC-Museum, z.B. im neuen Stadion, könnten sich bestimmt einige begeistern.“

 

Über den Autor:

Thomas Alexander Staisch wurde 1971 in Karlsruhe geboren. Der Journalist und Autor arbeitet bei überregionalen Tageszeitungen und Magazinen wie der Münchner Abendzeitung, Bild oder Focus und ist stellvertretender Chefredakteur einer Wiener Tageszeitung und als Auslandskorrespondent in Karlsruhe tätig.

Die Deutschmeister, Hardcover, Format: 21 x 28 cm, Umfang 192 Seiten und über 270 Bilder, ISBN 978-3-944635-09-5