KSC-Stadionneubau: OB ist besorgt und ratlos

KSC StadionKarlsruhe (mia). Kurz vor der Versammlung des Karlsruher SC hat sich Oberbürgermeister Frank Mentrup in Sachen Neubau des KSC-Stadions zu Wort gemeldet, aus Sorge wie er betonte. Denn Zeitverzögerung und „Pipifax-Punkte“, die immer wieder trotz Einigung auf den Tisch gebracht würden, bestimmen die Diskussion.

Es geht um Misstrauen, Vertrauen und die eigene Courage, so Mentrup auf der Pressekonferenz am Freitagmittag.

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Anfang der Woche sei er noch „sehr euphorisch“ und optimistisch gewesen, nachdem es am Montag mit dem KSC ein Gespräch/Verhandlung gegeben habe. Nun sei er der Meinung, dass man bis Sonntag keine weiteren Punkte mehr geklärt gekriegt.

„Ich halte es für sinnvoll, der Öffentlichkeit noch mal aus unserer Sicht die Situation darzustellen“, so Mentrup, der klar stellt, man sei nicht an einem Punkt, an dem die Mitglieder lediglich noch „den goldenen Endpunkt an die Geschichte“ setzen könne. Das hatte auch Mentrup noch gedacht.

KSC schlägt weitere Termine aus

Es gibt eine Steuerungsgruppe, so Mentrup, die die Verhandlungen begleitet. In dieser sei der KSC. Nicht bei alle technischen Fragen, die geklärt würden, sei der KSC mit am Tisch. Auch gäbe es keine Vereinbarung, dass es eine dritte gutachterliche Meinung bei jedem Punkt geben wird. „Das war der Stand am 12. August.“ Das wurde auch am Montag festgestellt.

„Da verwundert es umso mehr, wenn am nächsten Morgen etwas anderes in der Zeitung steht. Wir sind am Montag auseinander gegangen und haben gesagt, wir wollen Mitte oder spätestens Ende Oktober einen Notartermin haben und bis Sonntag verschiedene Themen klären. Das ist unser gemeinsames Ziel.“

Abgehakte Punkte wieder auf dem Tablett

Dann aber gab es ein weiteres Arbeitstreffen am Mittwoch, bei dem vom KSC aus wieder Punkte auf den Tisch gebracht worden seien, die eigentlich bereits geklärt worden waren. Als Beispiel nannte der Oberbürgermeister die Tiefgarage für Vips unter der Haupttribüne.

Dies habe die Stadt abgelehnt, denn es gäbe genug Plätze und sei finanziell nicht darstellbar. Aber man wollte einen Satz in die funktionale Leistungsbeschreibung einbringen, mit der die Möglichkeit dennoch bestehe. Das habe man am Montag beiderseitig besprochen, am Mittwoch aber „taucht auf Arbeitsebene wieder auf, dass die 250 Parkplätze in die Leistungsbeschreibung rein müssen“.

Wenn das nun bei jedem der Punkte so laufe, „dann habe ich große Zweifel, dass wir auf der Basis bis Mitte oder Ende Oktober“ zu einem Ergebnis kommen können, weil es keine stringente Verhandlungsreihe gebe bei der auch Kompromisse eingegangen würden.

Bestürzt und ratlos

Am Mittwochvormittag gab es auf Arbeitsebene ein weiteres Gespräch. „Dort haben wir feststellen können, dass Ergebnisse vom Montag sehr unterschiedlich interpretiert wurden und was uns noch mehr überrascht, dass man uns gesagt hat bis Sonntag wird es kein weiteres Gespräch geben, das sei nicht im Interesse des Vereins.“ Man wolle erst die Mitgliederversammlung abwarten.

Dies sei mittlerweile das zweite Mal, dass der KSC dies so handhabe, erklärte Mentrup. bereits während der Sommerpause wollte die Stadt an „die knackigen Punkte gehen“, das Angebot sie aber vom Verein nicht angenommen worden. „Ich bin ein bisschen bestürzt und auch ratlos, wie ich damit umgehen soll, dass man die Chance der Klärung des ein oder anderen Punktes nicht nutzt“, so Mentrup, der seine „Angst“ darlegen wolle, dass man nicht klarkomme. Man habe eigentlich bis in die Formulierung alles geklärt, dann kommen diese Punkte wieder auf den Tisch, das mache ratlos.

Ende Oktober ist der Fixpunkt

„Ich nehme wahr“, dass man sich als Verein an der Finanzierung der Vorbereitung nicht beteiligen will oder kann, aber auch bis zuletzt für alle Details ein Vetorecht einbringen möchte. Ein Gutachterverfahren durch das gesamte Bauverfahren hinweg könne man nicht umsetzen. „Ich habe den Eindruck, da gibt es so ein Grundmisstrauen uns gegenüber, dass ich mich nicht im Stande sehe bis Ende Oktober mit vorzustellen, dass wir das Grundmisstrauen aufgebaut bekommen.“ Auch gebe es eine gewisse Angst vor der Courage, dann selbst im neuen Stadion die Bewirtschaftung (Rasenpflege usw) zu übernehmen.

Gibt es bis Ende Oktober keinen Notartermin, gelte das Gemeinderatsmandat nicht mehr und es müsse erneut abgestimmt werden. „Denn jedes Jahr Bauverzug führt durch die Preissteigerung zu drei Millionen Mehrkosten. Das ist aus meiner Sicht nicht mehr gedeckt durch das Mandat. Ich sehe die Gefahr, dass die Akzeptanz von Monat zu Monat sinkt.

Chance jetzt nutzen!

Ob es dann eine Mehrheit für ein neues Stadion gebe, stehe in den Sternen. „Ich wünsche mir ein bewusstes Mandat der Mitglieder für das neue Stadion, das dem Vereinspräsidium den Rücken stärkt. Aber diese Art von Zeitverzug und Verhandlungsstrategie können wir uns nicht mehr leisten.“

Im Oktober habe man nur noch zwölf Monate um den Umbau der Haupttribüne anzugehen. Er nehme den KSC ernst, dass man ein Stadion brauche, das wirtschaftlich sei. Aber „wenn diese Chance nicht genutzt wird, dann sehe ich, weil ich  den Verein ernst nehme, für sein Wirtschaftsmodell in dieser Stadt keine Zukunft.“

„Stärken sie ihren Verein!“

Das Misstrauen müsse überwunden werden, Courage entwickelt werden, um „dem Verein in der relativ schwierigen Situation eine Option für die Zukunft zu geben“. Sein Appell daher an die Mitglieder: „Machen sie ihren Verein stark, fordern sie ihn aber auch an dieser Stelle, dass wir den Notartermin bis Ende Oktober hinkriegen.“

Man müsse jetzt zu Potte kommen, um ein Stadion bauen zu können und sich nicht um „Pipifaxpunkte“, die bereits geklärt waren, zu streiten.