Stadion für den KSC: Gemeinderat stimmt mehrheitlich für den Neubau

Karlsruhe (mia). Der Karlsruher SC braucht ein neues Stadion, da sind sich KSC und die Stadt einig, allein das Gremium, der Gemeinderat diskutierten heftigst.  Die Gesamtkosten für das neue Stadion, in dem der KSC spielen soll, sollen sich auf 88 Millionen Euro netto belaufen, 11 Mio. kommen aus Zuschüssen durch das Land. Nach großen und teils hitzigen Debatten stimmten die Gemeinderäte mehrheitlich gegen eine Sanierung (14 Neinstimmen), das Budget wurde angenommen, die Rahmenbedingungen wurden ebenfalls akzeptiert und stimmten damit für ein neues Stadion für den KSC.

Im Publikum saßen neben zahlreichen Interessierten auch KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, KSC-Vizepräsident Günter Pilarsky, KSC-Vize Georg Schattling, KSC-Manager Jens Todt, KSC-Kapitän Dirk Orlishausen und der Verwaltungsratsvorsitzende des KSC, Michael Steidl. Im Gremium saß KSC-Spieler Reinhold Yabo, der bei Punkt 6, der Entscheidung über das Wildparkstadion aus Befangenheit nicht mit abstimmen durfte.

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Grundkorridor

„Sie würden uns einen Grundkorridor geben, um mit dem KSC weiter zu verhandeln“, erklärte Mentrup. Aber das Fixpachtmodell musste ausgetauscht werden, hin zu einer erlös- oder umsatzorientierten Pacht, nachdem es vergangene Woche unterschiedliche Meinungen von Stadt und KSC gegeben hatte. Für die Stadt sollte und kann eine schwarze Null herauskommen, so OB Mentrup. Mit dem Beschluss sei der OB sowie die Stadtverwaltung befähigt, weiter zu verhandeln.

Nur ein Neubau mache das Stadion so wirtschaftlich, dass durch die Pacht des KSC eine Refinanzierung möglich sei. Dem KSC solle dadurch ermöglicht werden, wirtschaftlich im Fußball auch voranzukommen. Auch das Thema Sicherheit könne man mit einem neuen Stadion neu und besser angehen, zählte Mentrup die Vorteile eines Neubaus auf.

Vorschlag: Entscheidung pro Neubau

Die Vorlage des Oberbürgermeisters Dr Frank Mentrup sah als Vorschlag an das Gremium vor:

  1. die Generalsanierung des Wildparkstadions/Minimalvariante nicht mehr weiter zu verfolgen, denn nur ein Neubau sei wirtschaftlich sinnvoll, nur dann sei eine Refinanzierung machbar.
  2. dem Neubau des Stadions unter bestimmten Bedingungen zuzustimmen:

Das Budget des Stadionbaukörpers wird auf 60 Millionen Euro netto festgelegt, das Parkhaus für die Hospitality-Bereiche auf 10 Mio. begrenzt. Infrastrukturkosten werden in Höhe von 14,3 Mio. Euro angenommen.

Als Grundlage für die Überlassung des neuen Stadions an den KSC, das während dem laufenden Spielbetrieb in Teilphasen gebaut werden soll, ist ein Pachtvertrag. Mindesterwartung in Liga zwei sind 1,5 Mio. Euro, in Liga eins 3 Mio. Euro. Hinzu komme ein Pachtanteil für die Bauunterhaltung und eine Umsatzbeteiligung. Ebenfalls müsse der KSC eine marktübliche Geschäftsstellenmiete bezahlen.

Entscheid ist abhängig von „positiven Verhandlungen“ mit dem KSC

Sollte der KSC diesem Modell nicht zustimmen, sei eine umsatzbasierte Pacht Grundlage des Vertrages mit dem Karlsruher Sport-Club angedacht.

Wichtigste Voraussetzung für Punkt 2 allerdings, und somit für den Neubau, ist der positive Verlauf der Verhandlungen mit dem KSC sowie ein positiver Verlauf der notwendigen Rechtsverfahren.

Unterschiedliche Fraktionen – unterschiedliche Meinungen. So entwickelte sich eine muntere Debatte der Fraktionen.

„Wollen wir Profi-Fußball?“

„Wollen wir weiter Profi-Fußball haben oder nicht, falls ja müssen wir investieren“, sprach sich Detlef Hofmann (CDU) für seine Fraktion für einen Neubau aus – „alles andere ist Geldvernichtung“. Es müsse eine „solide Finanzierung“ des Stadion geben, eventuelle Mehrkosten sollten über Module abgefangen werden.

Der Sport sei ein Imagefaktor für die Stadt, so Hofmann. Die großen Knackpunkte müsse man lösen können und das Projekt müsse refinanzierbar sein, die Kosten dürfen nicht auf Lasten des KSC laufen.  Eine Generalsanierung sei in keinem Fall für den KSC wirtschaftlich.

Ab ins Reich der Fantasie

Parsa Marvi (SPD) plädierte für seine Fraktion für den Neubau. Man wolle einen Wendepunkt markieren in der lange dauernden Debatte. Er lobte nicht nur Mentrup für das Vorantreiben des Projekts, sondern auch den Neubau als „Meisterstück kommunalpolitischer Arbeit“.

Es sei gelungen alle „unrealistischen Ideen in das Reich der Fantasie“ zu verstoßen. Dass der KSC dem zugestimmt habe, sei positiv, so Marvi. Nur der Standort Wildpark und ein Neubau komme für die SPD in Frage. „Wir hoffen, dass der KSC mit der Stadt weiterverhandelt.“

„Ein Leuchtturm des Unsinns“

Auf 88 Mio Euro zu reduzieren sei ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, so Stadtrat Honné (Grüne). Dies sei zum einen der Verzicht auf das Parkdeck auf dem Birkenparkplatz „ein Leuchtturm des Unsinns“ so Honné zum anderen die Steuer, die man nicht zahlen müsse.

Allerdings gab er zu Bedenken, dass die Großprojekte immer teurer kämen als veranschlagt. Zum Punkt Pacht gab Honné an, dass der KSC immer wieder sagt, dass er die Pacht nicht bezahlen kann“, falls nicht gewisse Bedingungen erfüllt würden. Auch die jetzt verlangte Pacht könne nicht bezahlt werden. So müsse man überlegen einnahmenabhängig zu arbeiten. Aber genau da sehen die Grünen das Problem, entweder die Stadt bleibe auf den Kosten sitzen oder der KSC gehe daran zu Grunde.

Gegen Neubau – pro Sanierung

„Die Grünen plädieren daher dafür, dass nur saniert würde und so viel wie möglich erhalten bleibe vom bisherigen Stadion. „Natürlich wäre es schöner auch die Haupttribüne abzureißen, aber die Aussagen sind deutlich, wir können es uns nicht leisten“, so Johannes Honné. „Dem Neubau können wir nicht zustimmen. Wir können nur dringend an alle appellieren, ob sie das so bauen wollen.“

„Es wurde von der Stadt versucht aus einer unmöglichen, eine mögliche Situation zu machen“, so Dr. Eberhardt Fischer von der KULT-Fraktion. Der „Hochtransparente Prozess“, den der OB geschaffen habe, sei noch immer nicht in allen Köpfen angekommen so Fischer.

Pferdefüße im Projekt

„Die Finanzlage des Vereins ist nicht gut, wir sehen viele Sonderwünsche, die der KSC eingesackt hat und wir sehen Vergleiche mit Mainz. Ich hätte mir gewünscht, dass der KSC dieses Jahr die volle Pacht gezahlt hätte. Das hat er nicht getan. Aber ich will nach vorne schauen“, so Fischer.

Der Steuerzahler müsse einige Zugeständnisse schlucken, so Fischer, zum Beispiel die Infrastrukturkosten, sowie die fehlende Verzinsung, und die Festpacht. Es gebe auch Vorteile, Image, Freizeit und Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Falls dies dann ohne Zuzahlung der Stadt gelinge sei dies positiv. Es gibt aber auch noch Pferdefüße und das Projekt kann noch scheitern“, gibt Fischer zu Bedenken. „Falls es scheitert, sollte die Verwaltung hart bleiben. Gelinge das Projekt nicht mit diesen Vorgaben“, dürfe es kein Stadion geben. Zudem könne man heute gerne mit Ja stimmen, denn man könne später noch das Projekt stoppen.

„Bauchschmerzen“ wegen der Stadiondebatte

„Heute ist ein guter Tag für den KSC“, so Thomas Hock (FDP), der bemängelte, dass es vor Jahren schon ein Stadion hätte geben können. Man werde den Weg des Oberbürgermeisters mitgehen, denn der KSC stehe schon einige Jahre in der Schlange.

Aber: „Wenn man hier im Hause mitgekriegt hat wie es hier rund ging zwischen dem KSC und dem Oberbürgermeister im Rathausfoyer, da stellt sich die FDP die Frage“, ob es nur Krach gebe. „Ich habe Bauchschmerzen, dass es in die falsche Richtung geht.“

Zurück in die Steinzeit!

Bekomme man es dieses Mal nicht hin, werde man wohl kein neues Stadion hinbekommen. Daher appelliere die FDP an beide Seiten gut miteinander umzugehen. Man müsse nun über seinen Schatten springen und ja oder nein sagen und nicht „ein Loch suchen, um rauszukommen“, so Hock zu den Grünen gewandt.

Der KSC müsse mit Stadion und Pacht leben können, so Hock. Es bringe nichts, wenn der KSC dank der hohen Pacht in die Insolvenz schlittere. „Wenn Sie die Stadt regieren müssten, wären wir in die Steinzeit zurückgebeamt“, so Hock zu den Grünen.

„Überfordert den KSC“

Bereits jetzt könne der KSC seine Miete nicht bezahlen, so Marc Bernhard (AfD) . Man glaube nicht, dass der KSC die Pacht nach einem Neubau zahlen könne, auch müsse man von Mehrkosten ausgehen, da die Baukosten sehr gering veranschlagt seien. „Dieses Konzept überfordert den KSC und dadurch führt es zu einer Risikoverlagerung, da der KSC die Pacht nicht zahlen wird“, so die AfD. „Es ist kein gutes Konzept für die Stadt, kein gutes Konzept für den Verein, daher stimmen wir nicht zu“, so Bernhard.

„Der Bau eines Stadions ist keine kommunale Aufgabe. Wir wünschen dem KSC ein neues Stadion, aber er müsse 80 Prozent selbst finanzieren“, so Niko Fostiropoulos (Die Linke). Die Zahlen seien eine „reine Trickserei“, die falsche Zahlen ausgebe, so Fostiropoulos. Die Zahlen in der Vorlage wurden als Prestigeprojekt runtergerechnet wirft er dem OB vor.

Die Vorlage ist eine Unverschämtheit

Der KSC könne die Pacht nicht zahlen, die Stadt würde dann in nichtöffentlichen Zahlen dem Verein Geld zuschustern. Das sei nicht gut, fordert er einen Bürgerentscheid. „Wir wissen alle, dass der KSC die Pacht nicht bezahlen kann“, daher stimme die Linke nur dann zu wenn der KSC 80 Prozent zahle. Nicht das Stadion mache guten Fußball aus, sondern guter Fußball. Er gehe von 2 Mio Euro Kosten aus.

Auch sei das Stadion nur 20 Tage im Jahr belegt, das sei zu wenig. „Wie peinlich“ sei es, wenn der KSC absteige und die Stadt so viel Geld ausgegeben habe. Daher solle man im nächsten Haushalt prüfen, ob man sich das leisten könne. Es sei eine „Unverschämtheit“ die Vorlage vor dem Doppelhaushalt vorzulegen.

„Schwarze Zahlen“ – Augenwischerei?

Friedemann Kalmbach (GfK), erklärte noch einmal, dass sein Parteikollege Yabo nicht befangen sei. Er stimmte für die Vorlage, denn ein neues Stadion sei nötig. Ein neues Stadion bedeute Aufbruch, er fordert mehr Mut mit Ja zu stimmen.

Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) dagegen erklärte, dass man den Standort weiterhin für falsch halte. Auch das Refinanzierungsmodell halte man nicht für möglich. „Wir würden den Schritt zum neuen Stadion weiter mitgehen“, aber einige Punkte könne man nicht unterstützen.

Man müsse sich kritisch mit der Vorlage auseinandersetzen, so Bettina Lisbach (Grüne). Es würden sicherlich keine „schwarzen zahlen“ geschrieben. Wie bei allen anderen Großprojekten werde dies nicht der Fall sein. Es würden Zahlen vorgerechnet, die so nicht haltbar seien. Versprechen stünden im Raum, die nicht gehalten würden. Ob dies die Haupttribüne, die Wälle oder die Infrastruktur seien.

Lisbach fehle auch die Absicherung bei Zahlungsunfähigkeit, daher lehne man die Vorlage auch ab. Es ginge nicht darum, „den KSC zu gängeln“, aber ein Umbau mit 27 Mio. Euro sei wesentlich sinnvoller, so Lisbach. Die Grünen seien mit der Umbau- und Sanierungsmaßnahme auf einem guten Weg. Auch bedauert sie sehr, dass man keinen Bürgerentscheid zum Thema Neubau oder Sanierung gemacht habe, denn der Gemeinderat repräsentiere nicht die Bevölkerung wieder.

Unehrlich?

Man müsse das Projekt Wildparkstadion im Gesamtfinanzrahmen sehen, so Dr. Klaus Heilgeist (CDU). Man müsse unterstellen, dass die Gesamtinvestition durch Kredite finanziert würde. Eine Entscheidung, wann man sich das leisten könne, sei nicht getroffen. Wie man sich die Finanzierung vorstelle, wolle er wissen.

„Es geht darum, die beste Entscheidung für Stadt und Verein zu treffen“, so der parteilose Stadtrat Schmidt. Auf der vorliegenden Vorlage könne er das nicht. Nur wenn ehrlich gesagt würde, dass man den Verein zum Beispiel mit 5 Mio. Euro jährlich unterstützen wolle, könne man auch die Bürger entscheiden lassen.

Fazit des OB und Abstimmung

Zum Abschluss wies der Oberbürgermeister den Vorwurf der Trickserei zurück und nahm Stellung zu einigen angesprochenen Punkten. Bauzeit und Geld seien noch auszuhandeln. Eine Mietminderung wäre wenig sinnvoll, weil man kaum etwas mindern könne. Beim Thema Wälle gehe Mentrup davon aus, dass es Möglichkeiten gebe, die diese erhalten, was günstiger sei.

Alle bisherigen Verhandlungsrunden haben zu guten Klärungen geführt, am 30. Oktober geht es weiter, sei er optimistisch. Auch wenn es in den vergangenen Wochen kontrovers diskutiert worden sei. Das Modell der Pacht allerdings müsse man gemeinsam verhandeln. An eine Refinanzierung glaube er weiterhin. „Es ist nicht so, dass wir das Geld verbrennen.“ So habe er auch in Bezug auf den Haushalt keine Bedenken. Man müsse sowohl dem OB und der Verwaltung Vertrauen entgegen bringen, als auch dem KSC. Mit einem neuen Stadion bekomme man einen Neuanfang der gemeinsamen Begeisterung hin, hofft er und bat das Gremium zur Abstimmung. In dieser stimmten die Räte mehrheitlich für einen Neubau.