KSC-Wildparkstadion: Heftige Diskussionen,aber Zustimmung

Karlsruhe (mia). Das Stadion des Karlsruher SC stand unter anderem auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung, der auch KSC-Stadionmanager Fabian Herrmann und Vizepräsident Holger Siegmund-Schultze als Zuschauer beiwohnten. Nach heftigen Diskussionen wurde der Antrag der Stadt, die Kostenerhöhung von neun Millionen abzusegnen angenommen.

Den Ticker zur Gemeinderatssitzung finden Sie hier:

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Der „Vollumbau Wildparkstadion – Vorabmaßnahmen des Bauherren zur Kampfmittelerkundung und Aufrechterhaltung des Spielbetriebes“ musste abgestimmt werden. Neun Millionen Euro teurer soll das Stadion werden.

 

Saisonfinale abwarten

Die Kult-Fraktion beantragt bis Ende der Saison das Thema Wildparkstadion aufzuschieben. Stadtrat Erik Wohlfeil von der KULT erklärt, dass man abwarten müsse, ob der KSC in Liga drei oder zwei Spiele. „Die Ligazugehörigkeit ist entscheidend für die Einnahmesituation des Vereins.“

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Ohne Aufstieg hätte der KSC noch weniger Ressourcen zur Verfügung, wie jetzt schon, erklärt Wohlfeil. Man dürfe das Ergebnis der Saison nicht ignorieren, will man das Stadion refinanziert bekommen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup empfiehlt den Antrag abzulehnen, da man in die Zukunft plane. „Es ist ein Stück Vertrauen dabei, dass der KSC in der Ersten, Zweiten oder Dritten Liga zurecht kommt.“ Man dürfe die Ligazugehörigkeit nicht abhängig machen.

13 Stadträte sind dafür, 31 dagegen und zwei enthalten sich. Der Antrag ist abgelehnt.

 

Weitere Abstimmung

Nun kommen die Änderungsanträge der Linken sowie die Beschlussvorlage der Stadt zur Abstimmung und Diskussion. Wie berichtet, erhöhen sich die Kosten um neun Millionen Euro, das Parkhaus wird vom KSC selbst übernommen.

Die endgültige Vergabe der Leistungen wird im Juli vom Gemeinderat abgestimmt. Dann sind die konkreten Angebote und Kosten auch auf dem Tisch, sagt Mentrup. „Dann klärt sich, ob die neun Millionen zu viel oder zu wenig sind“, erklärt Mentrup.

Die Stadtverwaltung benötigt das Go des Rates, um mit der Ausschreibung zu beginnen. Im September wolle man die Vergabe über den Vollumbau im Gemeinderat beraten.

Bermudadreieck

„Dauerhaft kann die Polizei das sogenannte Bermudadreieck nicht betreuen“, erklärt Mentrup, warum man noch darüber diskutiert. Detlef Hofmann von der CDU erklärt: „Die CDU wird die Beschlussvorlage mittragen. Wir müssen sagen“: alle Bieter haben erkannt, dass die Entsorgung der Wälle zwingend notwendig ist. Daher sei man als Bauherr dafür zuständig und müsse die neun Millionen Euro mehr investieren.

Man müsse aufpassen, dass einem diese Fehler – Kostensteigerungen – nicht zu oft passieren, wenn es um große Projekte geht. „Eins ist klar, der Bürger versteht es nicht mehr. Wir beschließen etwas und es wird teurer.“

Für die Menschen sei es auch nicht verständlich, dass man immer wieder über das Stadion abstimme. „Die Argumente sind ausgetauscht. Es gibt keine Alternativen zum Neubau.“ Der KSC sei ein Standortfaktor für Karlsruhe, so Detlef Hofmann.

Alternativen gibt es

Parsa Marvi von der SPD: „Es gibt immer Alternativen im Leben, die Sehen wir auch heute. Ob die Sinn machen, ist eine andere Frage.“ Immer wieder kämen die Fraktionen mit Alternativen. Damit komme man nicht zu Potte.

Die SPD unterstütze die Beschlussvorlage trotz der gestiegenen Kosten und stimme für die zusätzlichen neun Million Euro Kosten. Man müsse endlich zu Potte kommen.

Nun ziehe man an einem Strang. „Ich finde es gut, dass es ein Geben und Nehmen gab“, so Marvi dazu, dass der KSC Eingeständnisse gemacht hatte.

 

Keine Anti-KSC-Geschichte

Es sei keine „Anti-KSC-Geschichte, aber eine städtische Geldgeschichte“ so Ekkehard Hodapp von den Grünen: „Da liegt Weltkriegsschutt, der muss weg – aber das ist nicht neu. Wir haben immer wieder nachgefragt, wie hoch das finanzielle Risiko ist.“

Die Einschätzungen der Stadt waren falsch, so Hodapp. „Falsch und leichtsinnig.“ Es sei mühsam zu diskutieren, wessen Fehler es war, aber Fakt sei es gehe um mehr Geld, das von den Bürgern übernommen werden müsse. „Das wird nicht über die Pacht zurückbezahlt.“

Fragliche Größe

„Ob die 12 Million reichen, weiß niemand und diese Kosten sind das Argument gegen das neue Stadion.“ Dass die Pachtzahlung auf 35 Jahre verlängert werde, sei „eine fragliche Größe“. Man lehne den Antrag der Linken und GfK und AfD ab, aber man sei auch gegen die Vorlage der Stadt, so Hodapp.

Nicht um jeden Preis

Wohlfeil ergänzt: „Ein Stadionneubau macht generell Sinn. Aber ein Stadionneubau macht nicht Sinn um jeden Preis.“ Es sei eines der teuersten in ganz Deutschland. Man benötige ein „bodenständiges Stadion“, das den Möglichkeiten des KSC entspricht.

Das Risiko werde nicht minimiert für die Stadt Karlsruhe, die verursachten Mehrkosten würden aber nur von der Stadt getragen, bemängelt die KULT-Fraktion.

„Wir wollen einen geänderten Bauablauf“, so die KULT. Der Stadionneubau solle in den Saisonpausen vonstatten gehen und so, dass der KSC es auch refinanzieren könne.

Kosten bleiben beim Steuerzahler hängen

„Es wird ein Großteil der Kosten am Steuerzahler hängen bleiben.“ Denn der CDU Kreisvorsitzende sei KSC-Präsident und Mentrup habe ein Wahlversprechen gegeben, so Wohlfeil.

Stadtrat Nico  Fostiropolous von den Linken erklärt: „Mit dem Wissen von heute würde man das Stadion heute nicht mehr bauen. Wir haben ein U-Strab Desaster und jetzt wollen wir noch ein Stadion-Desaster?“

Notbremse ziehen!

Die Kosten seien nicht zu definieren. Fostiropolous bemängelt, dass der KSC die Pacht nicht zahlen könne. Man wisse dass die „Kosten explodieren“, man müsse jetzt die Notbremse ziehen. „Wir wollen, dass der KSC ein neues Stadion bekommt, aber nicht zu 100 Prozent von Steuergeldern finanziert.“

 

Finanzierungskonzept nicht tragbar

Stadtrat Marc Bernhard von der AfD ergänzt mit Zitaten aus seiner Rede aus 2014: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Aber man glaube dass das Finanzierungskonzept nicht tragbar sei und die Baukosten optimistisch veranschlagt, hatte Bernhard 2014 bereits erklärt.

Die Kostensteigerungen sind da und in den Unterlagen stehe nun, dass nur 20 Prozent der Wälle abgetragen würden und nicht 80 Prozent wie vorgestellt, so Bernhard.

„Wir sind für das Stadion, aber wenn es verwirklicht werden soll, wollen wir über echte und realistische Zahlen abstimmen und nicht in ein paar Jahren über weitere Erhöhungen“

 

Kostenfehleinschätzung war absehbar

„Vielleicht ist das Thema auf der Tagesordnung, dass wir Feuer hier rein kriegen“, sagt Friedemann Kalmbach von der GfK. Die Fehleinschätzung in Sachen Kosten, „war absehbar“.

Es sei klar gewesen, dass das Stadion plus Wälle plus Parkdeck „nicht für diesen Preis zu kriegen ist“. Das hätte man von Anfang an sehen müssen. Man hätte die Wälle nicht in den Stadionkörper rechnen dürfen. Man habe nicht sauber kalkuliert, so Kalmbachs Vorwurf.

„Wenn man so viel asugibt, warum keine Bundesligataugliche Halle mit integrieren“, sagt Kalmbach. „Warum sollte das nicht gehen?“

Halle zusätzlich?

Es sei eine Chance, das zu prüfen, es gäbe Möglichkeiten ohne exorbitante Kosten, wenn man eine Halle dort erstellen würde. Dann lohnen sich auch die Infrastrukturkosten.

Nur mit der Faust in der Tasche werde er der Vorlage zustimmen, sagt Stadtrat Jürgen Wenzel von den Freien Wähler. Es sei allen klar gewesen, dass die Wälle da sind, da man sich für den Standort Wildpark statt Autobahn entschieden habe.

Wenzel wirft die Frage auf, ob die Kosten nicht noch weiter steigen werden. Er stimme für die Vorlage, aber er erwarte, dass genaue Zahlen vorgelegt würden.

Unvorhergesehen ist normal

Stadtrat Thomas Hock von der FDP erklärt, dass man „verpflichtet ist, die Stadt weiterzuentwickeln und nach vorne zu bringen“. Dazu gehöre auch ein Staatstheater, eine U-Strab, auch ein Stadion. Das sei kein Desaster. Die Planung habe man so konkret wie möglich gemacht. Dass es bei Großprojekten Unvorhergesehenes gibt, sei normal.

Die FDP wolle, dass der KSC mit einem neuen Stadion befähigt würde, Einnahmen zu erzielen und Geld verdiene. Mit einer Renovierung könne der KSC kein Geld verdienen, so Hock.

„Die FDP wolle das Stadion, weil wir die Stadt weiterentwickeln wollen.“ Es sei Zeit, das Stadion jetzt auf den Weg zu bringen.

20 Prozent belastet

Max Braun von der KULT erklärt, dass der KSC durchaus nichts für die Weltkriegsüberbleibsel kann, aber er trage die Bedenken seiner Fraktion mit. Er stimme zu, wenn auch mit Bauchschmerzen, um die Wettbewerbsfähigkeit des KSC nicht zu gefährden.

AfD-Stadtrat Paul Schmidt erklärt, dass man den gleichen Fehler heute nicht wieder machen dürfe. Man wisse nicht wie viel Material belastet sei und wie stark. Ob dies wieder einbaubar sei. Die Fraktion habe 16 Millionen ausgerechnet, die das kosten würde. Er sei überzeugt, dass der KSC wieder aufsteige. „Wir wollen zustimmen aber auf der Basis einer Planung“ die man nachvollziehen könne.

Mentrup erklärt: 20 Prozent des Materials sind mit Schadstoffen belastet. Von 35 Prozent gehe die Stadt davon aus dass man es entsorgen müsse. 20 Prozent müssen auf eine Sonderdeponie und 15 Prozent die woanders verwertet werden können, die man aber nicht für das neue Stadion benötige. Die 12 Million der alten Zahlen können nicht mit neun Millionen von heute verglichen werden.

Man könne nur den aktuellen Stand der Kenntnisse vorlegen. Er sei bei diesen Steigerungen erstaunt, wie die Empörung sei.

 

Ende des Profifußballs

„Herr Fostiropolous, ich hätte Lust zu allen ihren Aussagen etwas zu sagen, denn sie waren alle falsch!“, ärgert sich Mentrup. „Und Herr Stadtrat Wenzel, jetzt haben sie die Mastweide eingebracht . Von den Kosten die dort gekommen wären, sind wir meilenweit entfernt.“ Untere Hub und Mastweide wären für den „Verein der Tod gewesen“, weil man in absehbarer Zeit keine tragbare Lösung gefunden hätte.

Die Alternative wäre, die Stadt finanziere jedes Jahr zur Instandhaltung eine Menge Geld, das wäre aber das Ende des Profifußballs in dieser Stadt.

Fostiropolous möchte gerne eine Befragung der Karlsruher Bevölkerung. Damit zieht er den Ärger der anderen Stadträte auf sich. Er bemängelt, dass der KSC durch ein neues Stadion nicht besser spiele. Geld verdiene man nicht durch die „Würstchen“, sondern durch besseren Fußball, so der Stadtrat. Die Stadt mache wieder den Fehler bei anderen Großprojekten. Der OB erklärt, dass er glaubwürdiger wäre, wenn er auch eine Befragung zum Staatstheater gefordert hätte.

 

Wirres Zeug

„Sie erzählen wirres Zeug, sie verkennen, dass eine Sanierung des Stadions, zu der wir verpflichtet wären in der Region liegt, wie ein Neubau, Herr Fostiropolous“, sagt Hofmann von der CDU.  Er fordert einen „vernünftigen Vorschlag“, aber „sie machen Horrorszenarien“, wütet er gegen den Linken-Stadtrat.

Mentrup ruft zur Abstimmung auf, da „wir uns nun alle ordentlich beschimpft haben“.

Der Linkenantrag wird mit 45 Nein-Stimmen abgelehnt. Der Antrag der GfK zur Sporthalle im Wildpark wird ebenfalls mit 43 Stimmen ablehnt. Der AfD-Antrag der besagt auf 16 Million zu erhöhen wegen möglicher Kosten wird mit 42 Stimmen abgelehnt.

Die unveränderte Beschlussvorlage, um  neun Millionen zu erhöhen wird mit 30 Ja-Stimmen und 16-Neinstimmen angenommen.