Infos und eine unmoralische Frage: SportrasenTOUR Baden 2019

SportrasenTOUR (Quelle: bfv)

Karlsruhe (bfv). 40 Vereinsvertreter informierten sich in der Sportschule Schöneck während zwei Stopps der SportrasenTOUR bei den Experten von Polytan und Sportstättenbau Garten-Moser rund um den Fußballrasen.

Die kostenlosen Infoveranstaltungen des Badischen Fußballverbandes und des Badischen Sportbundes Nord gemeinsam mit den Sportrasenexperten, begeistern seit Jahren Neulinge und „Wiederholungstäter“, da sie lebhaft, praxisnah und unverbindliche Infos liefern.

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Ein Stopp der diesjährigen Tour drehte sich um das Thema Rasenpflege. Highlight war die praktische Vorführung der Pflegemaschinen auf dem Kunstrasen der Sportschule Schöneck. Matthias Renz von Sportstättenbau Garten-Moser verdeutlichte wie wichtig die richtige und sachgerechte Pflege von Naturrasenplätze ist, vom Wässern bis zum Mähen. Beim zweiten Stopp, bei dem Bau, Umbau, Sanierung und zum Recycling von Rasenspielfeldern im Mittelpunkt standen, hielt er ein Plädoyer für Naturrasen. Immer noch seien mindestens 36.000 von den rund 56.000 Plätzen in Deutschland Naturrasen, da er eine hohe Spielqualität bietet: natürliches Roll- und Sprungverhalten, Scherfestigkeit für den Antritt und Drehbewegungen, Elastizität für die Schonung der Gelenke und ein stets kühle Oberfläche. Zudem produziert eine 250 qm großer Rasenfläche den Sauerstoffbedarf einer vierköpfigen Familie.

In der Technologie Hybridrasen wird ein Naturrasen durch Kunstfasern verstärkt, was die Vorteile beider Welten vereint und eine Bespielbarkeit an 365 Tagen im Jahr garantiert. Einen solchen hat Sportstättenbau Garten-Moser in der Sportschule in diesem Jahr fertiggestellt.

Peter Eberhardt vom Kunstrasen-Experten Polytan gab interessante Infos, beispielsweise dass Kunstrasenfasern bei Frost nicht brechen können, der Platz jedoch Frostbeulen bekommen kann, wenn er nicht fachgerecht verlegt wurde. Für die in die Kritik geratene Verfüllung von Kunstrasenplätzen mit Gummigranulat erklärte er vorhandene Alternativen wie Quarzsand und Kork sowie Kunstrasensysteme, die überhaupt nicht verfüllt werden müssen.

Die Zukunft des Kunstrasenbaus bei Polytan heißt Green Technology. Konkret bedeutet das die Verwendung von weniger und vor allem nachwachsender Rohstoffe, die Mischung verschiedener Fasern und die bessere Recyclingfähigkeit. 2020 wird der erste komplett CO2 neutral produzierte Kunstrasen gebaut, der Liga Turf Cross mit geraden und texturierten Fasern, die zu 80 Prozent aus Rohrzucker hergestellt werden. Ganz begeistert ließ sich ein Teilnehmer zu der nicht ganz ernst gemeinten, „unmoralischen Frage“ hinreißen, ob Polytan nicht in seinem Verein einen Musterplatz bauen könne.

Felix Wiedemann vom Badischen Fußballverband steuerte noch wichtige Infos aus der Abteilung Spielbetrieb bei. Beispielsweise, dass bei einem Um- oder Neubau unbedingt die Vorlagen wie Größe des Spielfeldes, Abstände zu Barrieren und Coaching-Zonen berücksichtigt werden müssen. Im Hinblick auf eine mögliche Schlechtwetterphase erläuterte er das Vorgehen zur Prüfung der Bespielbarkeit, die bis zur Kreisliga beim Verein liege, in den Spielklassen darüber ausschließlich vom Schiedsrichter vorgenommen werden dürfe.

Auch auf die kürzlich aufgeflammte Diskussion um die Umweltbelastung von Mikroplastik gingen die Experten ein. Renz betonte in Deutschland seien Kunstrasenplätze in der Vergangenheit so gebaut worden, dass der Austrag von Mikroplastik sich – insbesondere im internationalen Vergleich – kaum niederschlage. „Trotzdem hat das Land Baden-Württemberg bereits entschieden, mit Granulat verfüllte Kunstrasen nicht mehr zu bezuschussen“, erläuterte Wolfgang Elfner, zuständig für Sportstättenbauförderung beim Badischen Sportbund. Das bedeute jedoch nicht, dass keine Kunstrasenspielfelder mehr gebaut und gefördert würden, betonte Elfner. Der BSB berate gerne zu Alternativen sowie zu den möglichen Zuschüssen. Generell ist die Wahl des richtigen Belags individuell von Verein zu Verein und hängt zum Beispiel von der Lage sowie der Belastung ab, daher empfiehlt sich eine ausführliche Beratung.