KSC-Stadionmehrkosten: Ein Nein wäre möglich, aber „absurd“

Karlsruhe (mia). Dem Präsidenten des Karlsruher SC Ingo Wellenreuther und Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe war es vor der Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag, wo die Teuerung des Vollumbaus des Stadions auf dem Plan steht, ein Anliegen, die Themen rund um den Stadionneubau für den KSC noch einmal zu beleuchten.

Denn: „Das Gesamtbudget steigt um neun Millionen Euro“, erklärt Mentrup. Das Stadion koste 82,30 Millionen Euro, der Vergabekorridor liege darunter; hinzu kommen Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von 28,65 Millionen Euro plus die 12 Millionen Euro Vorabmaßnahmen. Somit koste der gesamte Bau 122,95 Millionen Euro.

Auf dem Gelände des Wildparkstadions haben die Kampfmitteluntersuchungen ergeben, dass es einige Bombentrichter gibt. Ziel ist nun, vorab alle Maßnahmen zu unternehmen, um  „ein kampfmittelfreies Baufeld an den Totalunternehmer zu übergeben“, so Frank Nenninger der technische Projektleiter des Eigenbetriebs Wildpark-Stadion.

 

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80 Prozent der Wälle werden wieder verwertet

„Zu Beginn hatten wir die Annahme, dass das Programm unter Erhalt der Wälle möglich ist und dass wenn man in die Wälle eingreifen muss, es in den Rahmen des Gesamtbudgets passt“, so Mentrup. Aber die Rückmeldungen der Bauträger zeigten, dass alle in die Wälle stark eingreifen. Findet man dabei Kampfmittel, fallen die Kosten auf den Bauherren Stadt zurück. „Das wäre ein deutlich höheres Risiko und  höhere Forderungen an uns gegeben“, erklärt Mentrup, dass es eine unkalkulierbare Steigerung der Kosten gegeben hätte.

Daher habe man sich entschlossen, zunächst die Wälle abzutragen und von Kampfmittel zu befreien. Dies jedoch bringt neue Kosten in Höhe von neun Millionen Euro zusätzlich. Drei Millionen zusätzlich kommen on-top aufgrund von Provisorien.  „Wir entsorgen aber nicht komplett die Wälle, sondern schauen sie durch. Nach unserer Prognose ergibt sich, dass wir 80 Prozent des Wallmaterials nach Sortierung wiederverwenden können“, sagt Mentrup.

Abstimmung und Vergabekorridor

Das reiche aber nicht aus, um in den Vergabekorridor zu kommen. Daher habe man vereinbart, dass man das Hospitality-Parkhaus aus den Kosten herausnehmen und der KSC dies als eigene Maßnahme umsetze und finanziere. Da laufen die Gespräche mit den Banken, so Wellenreuther. Auch habe man einige Reduzierungen mit dem KSC absprechen können. „Wir strecken die Refinanzierung von 33 auf 35 Jahre“, um dem KSC entgegenzukommen  – wegen des Parkhauses.

„Wir sind auf einem guten Weg, aber haben ein Problem zu lösen gehabt, um im Budget zu bleiben“, so Wellenreuther. Der KSC habe dazu einen „beträchtlichen Teil“ beigetragen. „Wir haben Anpassungen vorgenommen von unserer Leistungsbeschreibung. Wir waren einverstanden, dass das Fassungsvermögen von 35 auf 34000 reduziert wird und in verschiedenen Bereichen Flächenreduzierungen vorgenommen.“ Weiteres Einsparpotenzial bei Dachkonstruktion oder Räume-Ausstattung gebe es sicher. Denn es sei immens wichtig, dass das neue Stadion gebaut werde. „Jeder Tag an dem das Stadion nicht kommt, ist von Nachteil für den KSC.“

 Ablehnen ist möglich

Dass es Gegenstimmen gebe, ist klar. „Wir haben kein Verständnis für diejenigen, die dagegen opponieren „, so der KSC-Präsident, denn wenn nichts passiere, müsse das Stadion für 45 Millionen Euro saniert werden. „Das wäre rausgeworfenes Geld.“

Es wäre fahrlässig zu warten, so auch Mentrup, da man mit höheren Angeboten rechnen müsse. Daher wolle man mit den vorhandenen Bietern zu einer Einigung zu kommen. Aber der Bürgermeister erklärt auch: „Weil immer Vergleiche mit anderen Baumaßnahmen verglichen wird. Wir reden jetzt über Mehrkosten, zu denen man sich noch positiv entscheiden kann. Man kann sie aber auch ablehnen!“

Ende September entscheide man über eine Vergabe, bei der man sagen könne: „Man will sie vielleicht doch nicht haben“, so Mentrup. „Man ist immer noch in einem zeitlichen Bereich, wo uns am Ende nicht ein Dritter eine Rechnung auf den Tisch knallt und wir können nichts mehr dagegen tun. Wir sind in der Phase, wo wir durch Neusteuerung theoretisch die Chance hätten zu sagen: Nein! neun Millionen so teuer wollte ich das Stadion nicht haben. Dann kann ich es lassen. Ich kann es mir nicht vorstellen und es wäre auch völlig absurd, wenn man sieht, was wir schon alles gemacht haben.“

Aber es sei ein Weg, der Risiken reduziere, bevor man in eine endgültige Vergabe reingekommen ist. Er könne verstehen, dass die Gemeinderäte sauer seien über die Kostensteigerung. Aber jedes Jahr Verzögerung bedeute, dass man das „marode Stadion in Stand halten“ müsse und „so gut wie keine Refinanzierung bekomme“, so Mentrup.

Zeitschiene

Entscheide der Gemeinderat am Dienstag, dass man diesen Weg gehe, wird das Kampfmittel und Erdmassenmanagement ausgeschrieben. Ein weiteres europaweites Vergabeverfahren wird Ende April gestartet um Ersatz-Tribünen/Versorgungs- und Spielbetriebssicherheit zu gewährleisten.

Hat man dann einen Totalunternehmer gefunden, soll im November 2018 begonnen werden mit den Vorabmaßnahmen. Im Oktober stimme der Gemeinderat über den Totalunternehmer ab. Wenn die Vorabmaßnahmen Ende 2019 abgeschlossen sein werden, kann der normale Neubau begonnen werden. Dieser Neubau soll „28 Monate“ dauern.